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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
18. Juli 2008
17:31 MESZ

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www.manifesta7.it

 
Weitwandern zwischen Festung und Fabrik
Manifesta 7: Eine ganze Region, das Südtiroler Trentino, wird ab heute zur Kunstzone

Bozen - Eine "Wanderbiennale" ist sie, die Manifesta. Das sollte man heuer nicht so wörtlich nehmen, auch wenn sich die alle zwei Jahre in anderen urbanen Ballungszentren tummelnde Großausstellung dieses Mal bis 2. November eine ganze, Bergschuh-affine Region einverleibt: Zwischen Fortezza und Rovereto, im Südtiroler Trentino, liegen schließlich 128 durchaus bergige Kilometer.

Nach Rotterdam, Luxemburg, Lubljana, Frankfurt, San Sebastian und Nicosia fiel die Wahl nun auf das Trentino mit seinem "außergewöhnlichen postindustriellen Erbe und seiner Kulturlandschaft" , von der vielen nur die Abschnitte links und rechts der Autostrada Richtung Sonne bekannt ist. Der unerforschte Rest wird mit volkstümelnden Folklore-Klischees zwischen Vintschgerl und Reinhold Messner aufgefüllt.

Mit solchen verbreiteten Klischees auszuräumen, sieht Hedwig Fijen, Präsidentin der Biennale, durchaus als eine der Hauptaufgaben der - bisher teuersten - Manifesta an. Allerdings hat Südtirol seine Chance bereits vor Beginn der Manifesta mit der Diskussion um das Krötenkruzifix gehörig vergeigt. Nach langer Debatte darf Martin Kippenbergers Arbeit nun doch in der mit mehr als 200 Künstlern "mega" -dimensionierten ersten Ausstellung im Bozener Museion-Neubau hängen. Gut getarnt von den medialen Ergüssen zum Thema ruft das "Schandmal" nun jeden Samstag ein Grüppchen von "Oh Maria hilf uns all in diesem Jammertal" -Seufzenden auf den Plan. Den Ruf, ein Volk verbohrter Erzkatholiken zu sein, haben sich die Südtiroler für die nächsten 100 Jahre gesichert.

Zurück zur Manifesta, deren drei Expeditionsteams (der Pole Adam Burak, das deutsch-israelische Kuratorenduo Anselm Franke/Hila Peleg und das dreiköpfige Raqs Media Collective aus Indien) die entlegensten Industriebrachen zwischen Fortezza und Rovereto als Spielräume aufgespürt haben: Am weitesten nördlich liegt die ungemütliche Franzensfeste - Forte Asburgico - aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, die die Teams gemeinsam und nur sehr asketisch mit Licht, Stummfilm und gesprochenen Texten bespielen und die im Anschluss für eine Landesausstellung genutzt wird.

Fünfzig Kilometer weiter südlich, in Bozen, nutzt das Raqs Media Collective, ein ehemaliges, 1936 von Mussolini zur Industrialisierung Nordtirols erbautes Aluminiumwerk. Die Ex-Alumix wurde mit viel Aufwand so restauriert, dass es vom Verdacht eines "White Cube" erhaben und so wenig wie möglich "aufgeräumt" wirkt. Mit einem Technologiezentrum wurde ebenfalls ein Nachnutzer gefunden. Die Manifesta-Route führt weiter über Trient, wo Franke/Peleg eine ausgediente Post-Zentrale bespielen, bis nach Rovereto, wo Budak mit Team zwei alten Manufakturen für Tabak und Kakao Kunst einhaucht. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 19./20.07.2008)


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