Bildende Kunst dreier "erleuchteter Genies"
Nächtliche Angstvisionen
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Strindberg: "Stürmische See". Foto: Nat. Museum Stockholm
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Wahrscheinlich sind sich die drei Herren nie begegnet, obwohl sie alle
um 1900 in Wien tätig waren; aber in ihren Werken kamen sie sich
unglaublich nahe: Der Komponist Arnold Schönberg (1874-1951), der Maler
Edvard Munch (1863-1944) und der Autor August Strindberg (1849-1912).
Eine
Ausstellung im Arnold Schönberg Center konfrontiert nun Munchs
Lithographien mit den bildnerischen Werken von Strindberg und
Schönberg; die beiden dilettierten zwar nur in der bildenden Kunst –
doch im experimentierfreudigen 20. Jahrhundert spielte das keine Rolle.
Deshalb erübrigt sich die Frage der vergleichbaren Qualität.
Die "nordische Avantgarde" – Strindberg revolutionierte das Theater
wie sein Kollege Munch die Malerei – steht zeitlich etwas vor
Schönbergs Bildern. Damit ist auch die Linie der Beeinflussung klar zu
ziehen.
Schönbergs bekanntes Bild "Blick" (1910) hat sicher Anleihen bei
Munchs "Der Schrei" (1895) genommen. Strindberg, der 1872 sein erstes
Gemälde gemalt hatte, paraphrasierte die Bilder William Turners.
Synästhesien zwischen den Künsten, wie die Vergleiche von Farbe und
Tönen und das Experiment mit Sprache, Partituren und Tonleitern, aber
eben auch die Alchemie der angereicherten Farben und der Blick nach
innen, in die Landschaft der Seele beschäftigte die drei intensiv.
Auch das Umfeld der ersten Wiener Schule der Musik sowie die engen
Bezüge Strindbergs zu Karl Kraus, werden in der Schau beleuchtet. Es
ist eine Augenreise in Tod, Melancholie und etwas, was die männliche
Hysterie genannt werden könnte: Sie waren beherrscht von einer quälende
Eifersucht und Angst vor den Frauen, die als Vampire dem Tierischen
angenähert werden. Passend dazu kommt das Element Wasser etwa als
Gewitterwolke vor, die sich über den Köpfen der Avantgardisten
zusammenbrauten. Es sind nächtliche Angstvisionen, auf die "Verklärte
Nacht" folgen enttäuschte Hoffnungen und der Schrei einer
apokalyptischen Natur.
Das Arnold Schönberg Center wagt sich an das andere Wien um 1900, das dunkle, gedankenschwere.
Nicht nur für Anspruchsvolle ist mit dem Audio-Guide die Musik
Schönbergs zu diesen visionären, oft fast abstrakten und zuweilen
monochromen Gemälden kombiniert. Neu ist vielen wahrscheinlich
Strindberg nicht nur als Maler, sondern auch als Dilettant in
Tonsystemen. Dass sein bekanntestes Bild "Wunderland" (1894) integriert
ist, verleiht der Schau einen weiteren Lichtblick.
Schließlich fühlten sich doch alle drei Künstler als erleuchtete Genies im Sinne Friedrich Nietzsches.
Munch. Strindberg. Schönberg.
Christian Meyer (Kurator)
Arnold Schönberg Center bis 18. Jänner 2009
Mittwoch, 24. September 2008
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