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Kunstberichte

Der Roboter als Zwilling

Professor Hiroshi Ishiguro (links) präsentiert seinen Androiden-Zwilling "Geminoid" der Öffentlichkeit.

Professor Hiroshi Ishiguro (links) präsentiert seinen Androiden-Zwilling "Geminoid" der Öffentlichkeit. (© APA)

Von WZ Online

Hiroshi Ishiguro geht davon aus, dass Menschen in absehbarer Zeit über einen Roboter-Zwilling verfügen können. Mit seinem Geminoid hat der japanische Forscher einen Roboter geschaffen, der "uns im sozialen Umfeld vertreten" kann.

"Roboter werden ein neues Informations-Medium wie Handys und Computer", ist das Credo Ishiguros, dessen künstlicher Zwilling im großen Ausstellungsraum des Ars Electronica Centers geduldig Fragen beantwortet.

Doch wider Erwarten steckt keine wie auch immer geartete Sprachsoftware im Geminoid. Ein paar Meter entfernt sitzt jeweils ein Mitglied von Ishiguros Team mit Kopfhörern und Mikro und spricht durch den Roboter. Auch die Bewegungen werden vom Menschen ferngesteuert. Wer sich eine technische Meisterleistung im Bereich Künstliche Intelligenz erwartet hat, wird unweigerlich enttäuscht sein.

Doch Ishiguro geht es um neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Menschen. Sein Roboter wird zum erweiterten Nachfolger von Telefon, Web-Chat und Video-Telefonie. "Wenn ich in Linz einen Vortrag halte, dann kann meine Kopie bei meiner Familie zu Hause sein und ich kann durch ihn sprechen", so der Japaner. Denn Menschen reagieren auf eine dreidimensionale Präsenz bei weitem authentischer als auf ein zweidimensionales Bild, das etwa über kleine Webcams übertragen wird, so Ishiguro. "Stellen Sie sich vor, ein Roboter, der Ihnen stark ähnlich sieht, sitzt bei Ihrer Großmutter, und Sie können sich mit ihr unterhalten", so Ishiguro. "Ebenso möglich wäre der Einsatz ihm Geschäftsleben - Sie könnten mit Ihrem Boss durch einen Roboter reden. Und wenn Sie eine Kopie zu Ihrer Freundin schicken, wäre die nicht auch zufriedener?"

Für die kommenden paar Jahre werde es noch "sehr leicht sein zu unterscheiden, was ein Roboter ist und was ein Mensch". Für Ishiguro ist auch das "menschenähnliche Aussehen nicht entscheidend". Der "Geminoid" ist für ihn eine "Forschungsplattform, um die vielen Faktoren der Interaktion zwischen Menschen zu erforschen. Und aus diesen können wir dann die wichtigsten auswählen, um billige Roboter zu bauen, die als Kommunikations-Medien geeignet sind." Derzeit benötige der Geminoid rund 60 Bewegungselemente, dies könne man auf zehn reduzieren. Denn sollten derartige Kommunikationssysteme für den Massenmarkt gebaut werden, müsse man Kosten reduzieren: Den "Geminoid" nachzubauen, würde 500.000 Euro kosten. "Aber selbst Handys sind heute bereits Computer mit Sensoren - fast wie ein Roboter." (APA)

Sonntag, 06. September 2009

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