03.09.2002 14:11
Alles Digital
Das Kunsthistorische
Museum hat begonnen 2,4 Millionen Objekte zu digitalisieren - Neues
Kompetenzzentrum für Bilddigitalisierung an Donau-Uni
Wien/Krems - Als eines der ersten großen Museen weltweit startet
das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) die Digitalisierung seiner Bestände und
seiner zahlreichen Nebensammlungen. Insgesamt sollen 2,4 Millionen Objekte
gescannt bzw. fotografiert werden. "Das Museum ist nicht nur Wissensspeicher,
sondern auch Massenmedium", so KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel bei der
Vorstellung des Projekts "Virtuelles Museum".
Kein Vergleich zum
direkten Kunst-Erlebnis
Langfristiges Ziel der Digitalisierung ist
einerseits ein Beitrag zum Schutz der Objekte vor Diebstahl, Zerfall oder
sonstigen Umwelteinflüssen, andererseits auch der Zugang zum "virtuellen Museum"
für Universitäten und Schulen. Noch fraglich ist, ob man das Archiv auch für die
breite Öffentlichkeit öffnen solle, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen.
Es sei schließlich viel einfacher und billiger, am "Bildschirm zu klicken", als
ins Museum fahren zu müssen, sich dort anzustellen und Eintritt zahlen zu
müssen. Aber Seipel ist zuversichtlich, dass "die digitale Wiedergabe die
direkte Begegnung im Museum nicht ersetzen wird".
2 Tera Byte
Speicher
Der hohe Anspruch, den das Museum an die Qualität der
digitalisierten Bilder stellt, macht das Vorhaben entsprechend aufwendig. Um
größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, wurde zusätzlich eine Backuplösung
außerhalb des Kunsthistorischen Museums, im Serverraum des Museums für
Völkerkunde, installiert. Die Gesamtkapazität des Speichermediums umfasst
gegenwärtig 2 Tera Byte.
Urteures Unterfangen
Bis heute
wurden bereits 10.000 Objekte per Scanner und Kamera digitalisiert und
archiviert. 2,4 Millionen steht die Prozedur noch bevor. Dass das Jahrzehnte
dauern wird, ist den Initiatoren des Projekts klar. "Ob wir das alles noch
erleben werden, sei dahin gestellt", meint Seipel dazu. Jedenfalls ist das ganze
Unternehmen "urteuer", betont die Projektleiterin im KHM Raffl-Wesjak. Wie viel
das Projekt genau kosten wird, wollen die Betreiber nicht sagen. "1 Million
Euro", schätzt Seipel, Raffl-Wesjak spricht von "5 Millionen Schilling (363.364
Euro) allein für die technische Umsetzung".
Neues Kompetenzzentrum für
Bilddigitalisierung und Ikonographie
Ab November können sich
beispielsweise Kunsthistoriker oder Mitarbeiter kultureller Institutionen an der
Donau-Universität Krems in "Ikonographischer Analyse und Digitaler
Bilddokumentation" ausbilden lassen. Der viersemestrige, berufsbegleitende
Universitätslehrgang wird vom neuen Zentrum für Bildwissenschaften angeboten,
das in der so genannten Alten Burg des Benediktinerstifts Göttweig beheimatet
ist. Im neuen Universitätslehrgang sollen hochqualifizierte Spezialisten im
Bereich der digitalen Erfassung, Archivierung und Präsentation von Kulturgütern
ausgebildet werden. (APA)