Männerblick und Frauenblick

Acht österreichische Künstlerinnen sind der Frage nachgegangen, was Frau-Sein und Künstlerin-Sein heute bedeutet.
Von Christina Kweta.


Elegant und kultiviert, distanziert und weltabgewandt - so sieht Gustav Klimt die Frauen, die er porträtiert, die meisten davon wohlhabend und bürgerlich. Einerseits waren sie für ihn geheimnisvolle Sphingen und idealisierte Göttinnen und Musen, dann wiederum Kokotten und Huren.

Am allerwenigsten waren sie aber sie selbst, denn die Liste der Rollenzuteilungen, mit denen Klimt und seine Künstlerkollegen die Frauen bedachten, ließe sich beliebig fortsetzen. Und das, obwohl die Realität der meisten Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts ganz anders war, und sie sich erst mühsam den Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt erkämpfen mussten.

Alles beim Alten

Dass sich in punkto Klischees nicht viel geändert hat, davon ist die Wiener Künstlerin Maria Hahnenkamp überzeugt. Sie ist eine von acht Künstlerinnen, die im Begleitprogramm zur großen Klimtausstellung im Wiener Belvedere mit Besuchern über die zeitgenössische Darstellung von Weiblichkeit in der Kunst diskutieren wird.

Back to the roots

Maria Hahnenkamp geht es in ihren Arbeiten um gesellschaftliche Projektionen von Weiblichkeit. Sie will nachspüren, wo die Wurzeln des weiblichen Selbstverständnisses liegen, und welche Prägungen - wie etwa der Katholizismus - uns immer noch beeinflussen. Daher verwendet sie Materialien wie alte Fotos aus Brautzeitschriften, Modefotografien, Kosmetikverpackungen oder alte religiöse Ornamentik, die sie über ihre Bilder stickt und webt. "Ich versuche dieses alten Dinge und Klischees zu analysieren und zerlege sie in ihre Einzelheiten. Durch die Wiederholung und das Fäden-Ziehen versuche ich ein Bild zu leeren", sagt Maria Hahnenkamp.

In den meisten Bildern von Maria Hahnenkamp dominiert daher die Farbe weiß, einerseits als Symbolfarbe für Jungfräulichkeit, aber auch weil weiß neutral ist und den Blick frei macht.

Rollenverschmelzung

Alles andere als neutral, für viele sogar schockierend, sind die Selbstinszenierungen von Elke Krystufek, ob sie nun ihre Essstörungen in krassen Fotos festhält oder ob sie in ihren Malereien und Installationen ihren Körper aus allen Blickwinkeln beleuchtet, oder ob sie sich zwischen die Beine greift. In ihren Arbeiten ist sie selbst gleichzeitig Beobachterin und Modell, Voyeurin und Exhibitionistin.

Kein Wunder, dass sie an Gustav Klimt besonders das Verhältnis zwischen dem Maler und seinem - gesellschaftlich stigmatisierten - Modell interessiert. Auch für sie sei es schwierig, Leute, die sie interessierten, als Modell zu gewinnen. Kein Wunder, "denn man tut ihnen was an. Kunst ist immer eine Art von Verfremdung".

Keine Preisgabe

Elke Krystufek stellt aber nicht nur ihren Körper zur Schau, sie überschreitet auch Grenzen in den Texten, die ihre Selbstporträts wie Ornamente umrahmen. Dort und in ihren Videos erzählt sie von ihrer Befindlichkeit, von sexuellen Begegnungen ohne Rücksicht auf Tabus und Intimsphäre.

Preisgabe der eigenen Person findet für sie aber anderswo statt - im Kunstbetrieb, bei Empfängen nach einer Ausstellungseröffnung. "Im Kunstbetrieb gibt es immer Halb-Freundschaften. Das ist eine problematische Vermischung von Privatem und Öffentlichem", so Krystufek.

Ungleichgewicht

Was den Kunstbetrieb betrifft, so werden Frauen - mit Ausnahme von international so anerkannten und gefragten Künstlerinnen wie Elke Krystufek - immer noch benachteiligt. Einige Zahlen zur Illustration: Lediglich 7 von 67 Einzelausstellungen im Wiener Museum für Moderne Kunst im Zeitraum von 1990 bis 1998 waren Frauen gewidmet und überhaupt nur acht Prozent der Kunstmonografien im 20. Jahrhundert galten Künstlerinnen.

Die Zwillingsschwestern Christine und Irene Hohenbüchler sehen aber noch eine andere Art der Benachteiligung. Immer wieder machen sie Kunstprojekte mit behinderten Menschen, und auch bei der Biennale in Venedig haben sie im Vorjahr ein sozial-politisches Projekt realisiert: ein Mutter-Kind-Haus, das nach der Biennale im ehemaligen Kriegsgebiet des Kosovo aufgestellt wurde. Durch ihre - wie sie sagen - "spezifisch weibliche" Themenauswahl fühlen sie sich ins Fraueneck geschoben und in Österreich nicht ernst genommen.

Tipp:

Am Sonntag, 22.10. um 16.30 Uhr spricht Elke Krystufek in der Österreichischen Galerie im Belvedere über ihre Kunst und ihren Zugang zu Klimts Frauenwelt.

Weitere Termine:
Christine und Irene Hohenbüchler: 28. Oktober 2000
Petra Maitz: 11. November 2000
Maria Hahnenkamp: 2. Dezember 2000
Ilse Haider: 16. Dezember 2000
Victorine Müller: 6. Jänner 2001

Link: Ausstellung Klimt und die Frauen

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