Neue Ansprüche auf die "Malkunst"

Familie Czernin begehrt Rückgabe von Vermeer-Werk.

Kunsthistorisches Museum: "Schmerz hafter Verlust".
Wien.
120 mal 100 Zentimeter ist es groß und in seiner Bedeutung kaum zu
überschätzen: Die "Malkunst" Jan Vermeers gilt als Prunkstück der
Gemäldesammlung des Kunsthistorischen Museums (KHM). Groß ist da auch
die Angst, dass das Werk zum Restitutionsfall werden könnte.
Wie der "Standard" berichtet, ersuchen Mitglieder der Familie
Czernin den Staat um eine Prüfung der Causa – nicht zum ersten Mal,
laut Anwalt Andreas Theiss jedoch im Licht eines neuen Gutachtens.
Unstrittiges Faktum: Jaromir Czernin verkaufte das Werk 1940 an Adolf
Hitler. Springender Punkt aber für Theiss: Die Transaktion sei unter
Zwang erfolgt.
So sei Czernin ein Schwager des Hitler-Gegners Kurt Schuschnigg
gewesen; und Czernins Frau – nach Rassengesetzen – ein "Mischling
zweiten Grades". Theiss: "Der Vermeer war der Preis, um zu überleben."
Es stimme zwar, dass Czernin das Bild schon zuvor verkaufen wollte.
Auch habe Hitler dann rund eine Million Reichsmark gezahlt. An der
Zwangssituation ändere dies aber nichts.
Das Ministerium für Unterricht und Kultur lässt den Fall durch die
Kommission für Provenienzforschung prüfen. Das KHM fürchtet einen
"schmerzhaften Verlust", will die Causa aber umfassend und objektiv
untersucht wissen.
Printausgabe vom Dienstag, 08. September 2009
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