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Sammlung Essl Klosterneuburg: "Augenblick. Foto/Kunst"

Foto und Malerei im Diskurs

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Debattieren Sie mit!Die Ausstellung "Augenblick. Foto/Kunst" in der Sammlung Essl in Klosterneuburg zeigt nicht nur die eigenen Exponate zur Thematik, sondern vor allem wie ein mehr als hundertjähriger Dialog zwischen zwei Medien von heutigen Künstlerinnen und Künstlern in hohem Maß beansprucht wird. Das Konzept einer Wandlung der Schwerpunkte stammt von Kuratorin Gabriele Bösch und integriert bewusst auch Werke der Malerei wie vom Altmeister Gerhard Richter, für den die Fotografie steter Begleiter war wie auch für den Fotorealisten Gottfried Hellnwein.
Bis zum 30. Juni gibt es auch eine Intervention des österreichischen Künstlers Lois Renner im "Kleinen Saal", die sich mit der selbstreflexiven Darstellung beider Medien samt einem weiteren wichtigen Jahrhundertthema, nämlich: Maler im Atelier, befasst. Dazu kommen seine Seitenblicke in den Aktionismus und konstruktive Raumkonzepte - eines Schindler etwa. Zur Schau ist ein repräsentativer Katalog erschienen, der Beiträge von Theoretikerinnen (Bösch, Frisinghelli u. a.) zum Wandel der Medien mit denen der Fotokünstlerinnen (Eva Schlegel) vereint.
Die Aufwertung der Fotografie zum hauptbeanspruchten Medium der zeitgenössischen Kunst hat mit der Pop-Art, dem Aktionismus und Fotorealismus begonnen, wird aber heute vor allem durch die computergenerierten Täuschungsmanöver völlig vom früheren sachlichen Realitätsanspruch losgelöst. Zu Foto als Fiktion ordnen sich tafelbildgroße Formate (Marie Jo Lafontaine, Rosemarie Trockel) und Verkleidungs- wie Verführungsstrategien (Cindy Sherman, Valerie Belin), die ein Rollenspiel der Akteurinnen erfordern.
Dem ersten Punkt entsprechend nennt auch Thomas Ruff seine Blicke auf und in die Villa Tugendhat in Brünn "Dokumente des Unglaubens", die monumentalen Stadtlandschaften von Thomas Struth lassen ebenso bei aller Schärfe vieles im Unklaren. Die Österreicherinnen Eva Schlegel oder Ilse Haider nehmen besonders interessante Positionen in Bezug auf malerische Verwendung von Foto auf Materialien wie Grafit, Gips, Glas, Peddigroh und Wattestäbchen ein, Alfons Schilling hat die 3-D-Laserfotografie aus den USA mitgebracht und Themen der Rassenunruhen darauf projeziert. Soziologisch ist vor allem Nan Goldin, aber auch in seiner unerbittlichen Intimität von Porträts der in New York lebende Österreicher John H. Silvis.
Parallel zu seiner geometrisch strukturierten Malerei hat Sean Scully auch Ausschnitte von bunten Holzhütten fotografiert, als Industriearchäologen fungieren einmal mehr Bernd und Hilla Becher, Anne & Patrick Poirier wenden sich hier zur Vanitasikonografie der Blüten. Von Shirin Neshat sind Filmstills ihrer intensiven Auseinandersetzung mit der iranischen Heimat von New York aus zu sehen, von Vanessa Beecroft ein Ausschnitt ihrer Videos über Models in militärischer Formation mit Verlangsamungseffekt. Dazu Tracey Moffatt, Manfred Willmann und, nicht zu vergessen, eine ironische Arbeit von Birgit Jürgenssen mit bewegtem Serien-Selbstbildnis vor Zerrspiegel.

Erschienen am: 14.06.2002

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bullet Sammlung Essl Klosterneuburg: "Augenblick. Foto/Kunst"

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