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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
11. November 2008
18:34 MEZ

Bis 8. 2. 2009

 

Daniel Domig baut seinen Bildern Gerüste unbekannter Funktion: "Neither fear nor courage saves us".


Schattenszene
Das Essl Museum in Klosterneuburg zeigt "Austria conTemporary", eine beliebige Ansammlung von Künstlern, die in Zukunft vielleicht einmal berühmt sein werden

Klosterneuburg - "emerging artists" bezeichnet eine seit 2000 laufende Serie von Ausstellungen im Essl Museum, deren Ziel es ist, "Künstler und Orte zu beleuchten, die auf dem Kunst- und Ausstellungsmarkt noch nicht stark sichtbar sind, möglicherweise aber die Zukunft der Kunst in starkem Maße beeinflussen werden". Idealerweise sollen deren Karrieren also in Klosterneuburg - Essl-gestützt - beginnen.

"Austria conTemporary" nennt sich die aktuelle Auflage der Fördershow, und daran teilzunehmen verlangt den Künstlern zunächst eine Einreichung ab: Gut 1000 noch weniger Auffällige haben sich diesmal beworben. Einzige Bedingung: ein aktueller Lebensmittelpunkt in Österreich. Alter spielt, im Gegensatz zu vielen ähnlichen Fördermodellen, Preisen oder Stipendien, keine Rolle; das bevorzugte Medium auch nicht. 16 Positionen haben die Kuratoren Christine Humpl und Günter Oberhollenzer aus den Einreichungen ausgewählt, um so etwas wie eine Schattenszene zu illustrieren: Zeichner, Maler, Fotografen, Installateure, Collagisten, Multimediaarbeiter. Auswahlkriterien sind keine zu erkennen. Es scheint, dass die selektierten 25- bis 53-Jährigen subjektiv am besten gefallen haben, wobei sich auch darin kein einschlägiger Geschmack ablesen lässt.

Da mühen sich die überlebensgroßen und unfassbar grauslich altersfleckigen Polyester-Figuren des Virgilius Moldovan an krankengymnastischen Übungen ab, während nicht weit davon in Andrea Danners großformatigen Zeichnungen vergleichsweise weiche Menschen sich mit dem unnachgiebig harten, verbeulten Blech ihrer Autos im ungleichen Wettstreit befinden. Da produziert Michail Michailov unter allerlei die Drangsal seines Tuns unterstreichenden Verrenkungen Banknotenwürste, als wäre er ein Goldesel, und gleich nebenan zeigt Karin Maria Pfeifer süß bunt gekleidete Kinder, die sich schutzsuchend an Mütterbeine schmiegen.

Etwas älter und also schon leicht dem Ennui verfallen Ingrid Pröllers Mädchen, das schreibend in einer Waldlichtung versinkt. Pröllers Malerei zu Jugendkultur und Empfindsamkeit passt gut - vielleicht zu gut - zu Muntean/Rosenblums verklärten Teenagern in pathetischen Posen, die einen Stock höher präsentiert werden. Solo, denn die beiden haben schon geschafft, worauf die Auserwählten der Schattenszene noch hoffen.

Da stets Enttäuschung wartet, wo Hoffnung lebt, hat Barbara Musil einen Raum zur Verwertung von Enttäuschungen konstruiert: Diverse Filmszenen mit Briefen in der Schlüsselrolle unterlegt sie mit am eigenen Künstlerleib erfahrenen Ablehnungsschreiben. Das macht Scheitern zumindest etwas hübscher.  (Markus Mittringer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 11. 2008)

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