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Stille Wasser voll Klischee

24.08.2009 | 18:13 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Die Salzburger Residenzgalerie zeigt sommerliche „Badeszenen“, bei denen einem heiß werden kann.

Sommerlicher ist eine Sommerausstellung kaum vorstellbar: Mit „Badeszenen“ wirbt die Salzburger Residenzgalerie heuer um Touristen und Festspielpublikum – im ehemaligen Palast des der Welt nicht gänzlich verschlossenen Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau ein gar nicht so schamloses Angebot. Schamlos ist eher der unbedarfte Umgang mit diesem delikaten Thema, das über die Jahrhunderte zumindest als sinnlichste Ausrede dazu diente, nackte Frauenkörper verführerisch zu arrangieren – Susanna und die Alten, wir grüßen euch.

Doch beginnen wir am Schluss, der Gegenwart. Dort dümpelt ein weiteres Ärgernis dieser kulturhistorisch aufbereiteten Gruppenausstellung, die nämlich als eine Art undeklarierte Außenstelle einer kleinen Salzburger Privatgalerie endet. Wofür die beiden, hier so plötzlich prominentest vertretenen lokalen Künstler nichts können, die Nähe zu Granden wie Waldmüller und Cézanne tut ihren arglosen Arbeiten mit Schwimmflügerl und Nippesfigur aber wenig Gutes.

Überhaupt ist die Auswahl etwas zu locker geraten, manchmal fast skurril: Hier etwa ein knallrotes Gummientchen aus den 1950er-Jahren, dort ein Puppenbadezimmer aus Wien um 1900. Alles lustig und bunt, wie die dazwischengestreuten Videos von Schülern. Gerade in ihnen aber erkennt man, wie wichtig es wäre, Kunstgeschichte kritischer aufzubereiten, denn auch hier stößt man auf auffällig viele passive Frauen und aktive Männer, Mädchen posieren in Bikinis oder entsteigen venusgleich den Fluten, Buben köpfeln in den See. Im Vergleich zu den Damen stellen sich nämlich die Herren in Badeszenen, wenn überhaupt, traditionell überraschend prüde dar, ob das Oswald Oberhuber ist, grinsend in der Sitzbadewanne kauernd, oder Wilhelm Busch, dessen warm Badender meist hinter einem Vorhang hantiert.

Trotz all dieser so kommentarlos erfüllten Klischees trifft man auf einige Highlights, die ruhig stärker herausgestrichen hätten werden können. So hängt einer von nur zwei existierenden Waldmüller-Akten etwa recht lieblos in einem Eck – die entzückenden Biedermeier-Badenden an einem Waldteich kommen aus der Sammlung Liechtenstein. Großartig auch die Szene, die Cornelis van Poelenburgh (1568–1667) festgehalten hat: Vom „Badenden“ selbst sieht man nur die Fingerspitzen, die sich an einen Felsen klammern. Es ist Odysseus, der da hängt, und den Nymphe Kalypso sich gerade angelt, auf den Knien, ihr kecker Rückenakt bestimmt das Bildzentrum.

Die wortwörtlich herrlichste „Badeszene“ aber erstrahlt heuer wie neu wieder vor der Residenz: Der größte Barockbrunnen Mitteleuropas ist frisch renoviert. Seine Schalen tragen nur Tiere und Männer, Rösser, Delfine, vier Atlanten und Triton, den Sohn Poseidons und Aphrodites.

Bis 1.11., Di–So 10–17 Uhr


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