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„Alles ist Maske, alles ein Spiel“

GUDRUN WEINZIERL SALZBURG (SN). Im 2. Stock des Salzburg Museums in der Neuen Residenz verfolgt Direktor Erich Marx ein besonderes Konzept. In loser Folge werden Räume für Salzburger Persönlichkeiten eingerichtet, die ein wechselndes Panorama aus Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Kunst ergeben: Salzburg persönlich. Drei neue Räume für Künstler sind ab heute, Samstag, zugänglich: für M. E. Prigge, Leo Kühmeyer und Hermann Rastorfer.

Rastorfers Kunst als Zeichner, Grafiker und Bildhauer stand stets im Schatten seiner beruflichen Karriere als Designer, Illustrator, Plakatkünstler, Entwickler von Werbe- und Kommunikationskampagnen. Er hat Buchumschläge für große deutsche Taschenbuchverlage gestaltet, Verpackungen von Pharmaprodukten konzipiert, für die Deutsche Bahn und für VW gearbeitet. Sein Slogan „Einen VW müsste man haben“ wurde 1960 zur Legende, ebenso nachhaltig wirkte „Ferrero Küsschen vergisst man nicht“.

Rastorfer selbst blieb dabei als Person stets im Hintergrund. Der 1930 geborene gelernte Schriftsetzer sah im Salzburg der Nachkriegszeit keinen Nährboden für seine Arbeit, versuchte sein Glück in Deutschland und gründete bereits 1954 sein erstes Grafikstudio. Seine freie künstlerische Tätigkeit setzte – nach einer ersten Ausstellung 1950 in Salzburg und Illustrationsaufträgen für die „Salzburger Nachrichten“ – verstärkt in den 1970er-Jahren ein. Als Künstler erfuhr Rastorfer ein typisches Schicksal: Die Heimatstadt Salzburg hat ihn kaum gewürdigt, erst 2003 kam es mit dem „Ikarus“ am Salzburg Airport zur ersten öffentlichen Platzierung einer seiner Bronzeskulpturen, 2005 folgte „Mozart 1“ im Haus für Mozart, „Mozart 2“ ging als Geschenk von Stadt und Land nach Peking. Sein letzter Bronzeguss, „Großer Maskenkopf“, wurde Anfang 2009 im Hof des Schauspielhauses Salzburg aufgestellt. Am 28. August 2009 starb der Künstler 79-jährig. Hermann Rastorfers zentrales künstlerisches Interesse galt dem Menschenbild. Themen aus der griechischen Mythologie gehören zu seinem wiederkehrenden Repertoire, besonders häufig aber auch der Harlekin, der Träumer, der Gaukler, der Narr. Konsumwelt und konsequente, aggressive Vermarktung von Produkten haben sich bei Hermann Rastorfer wohl in einem Menschentypus manifestiert, der „noch lachend selbst in den Tod zieht“.

Wenige Tage vor seinem Tod schrieb der Künstler in Vorbereitung dieser Ausstellung: „Alles ist Maske, alles ein Spiel, niemand ist er oder sie selbst.“

Kultur / 07.11.2009 07.11.2009 / Print

 
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