Galerien live
In der banalen Phase
(cai) Der Ausstellungstitel ist eindeutig falsch: "Fünf Bilder, zwei
Ensembles, eine Fotografie." Hm. Das überreißt ja sogar ein
Volksschulkind, dass da was nicht stimmt. Denn immerhin sind es 43
Bilder, zwei Ensembles, drei Fotos und zwei ... zwei .. . na ja,
pikante Assemblagen (in die Beethovens Gesicht auf höchst
kompromittierende Weise verwickelt ist).
Was hat das bloß zu bedeuten? a) Maler können eben nicht zählen
(weil sie dauernd Terpentin schnüffeln). Oder b) Das hat was mit brutto
und netto zu tun. Richtige Antwort: c) Keine Ahnung. Nein, natürlich d)
Als die Einladungen längst gedruckt waren, hat man halt noch ein bissl
umdisponiert. Eigentlich kommt man beim Ludwig Gerstacker ja mit den Grundrechnungsarten
durch. Als Maler addiert er jede Menge Farbschichten. Und durch den
spielerischen Umgang damit erweckt er die Farbe zum Leben. Einmal
zitiert er gar aus dem kleinen Einmaleins: 7 x 5 = 35. (Also er hängt
in sieben Reihen je fünf Bilder auf.) Und der Spieltrieb geht mit ihm
durch, wenn er ein Häufchen macht. Nein, nicht so eins.
Eines aus Holzklümpchen, die er wie Bauklötze zu einem Ensemble
kombiniert, während er an bronzezeitliche Ruinen denkt. Erfrischend,
diese Kinderzimmerästhetik. Oder wie ungeniert er mit einem Alten
Meister umgeht, wenn er aus einem Gemälde von Bellini (Maria +
Jesusknabe = 2) einfach zwei subtrahiert. Das macht dann null, und das
ist wiederum gleichbedeutend mit "total abstrakt". Praktisch nur das
Blau vom Madonnenschleier ist übrig.
Hoch oben an der Wand, da pickt freilich was, um das zu
begreifen, reicht die Mathematik nicht mehr aus. Da braucht man den
Freud. Beethoven-Masken mit drübergezogenen Damenslips. (Ferkel!) Ein
Rückfall in die frühkindliche banale Phase? (Äh: ohne B.) Jedenfalls ist ein Stringtanga kein Saiteninstrument. Nicht? Aber das englische "string" heißt doch "Saite", oder?
Galerie Hartmann
(Gredlerstraße 2)
Ludwig Gerstacker
Bis 5. Dezember
Di. – Fr.: 14 – 18 Uhr Sa.: 10 – 15 Uhr
Über den Haufen gemalt
(cai) "Kummer, Küche, Kabinett" – klingt wie der Titel einer Seifenoper
über depressive Hausfrauen. Wie das Gegenteil von "Geld. Macht. Liebe".
Trotzdem ist das keine Fernsehserie, sondern eine Bilderserie. Es reimt
sich obendrein. Nach Germanenart. Wie das "Hojotoho! Heiaha! Heiaha!"
in Wagners Walkürenjodler. Also vorne, nicht hinten. Die Bilder von
Nina Maron reimen sich quasi auch. Wiederholen ständig dasselbe. Bis
man’s nicht mehr aushält. Das Heimchen am Herd bäckt, daneben flirtet
ein Vamp genauso heftig mit dem Betrachter, wie es die plakativen
Farben tun. (Reimt sich "Keks" nicht eh auf "Sex"?) Maron beweist
zumindest, dass Farben einen Sexappeal besitzen. Und wenn sie die
beiden weiblichen Klischees (heilige Hausfrau und Femme fatale) mit dem
Pinsel niedermetzelt, ist das durchaus eindrucksvoll. Die Serie über
Virginia Woolf (aha, der dritte Typ: die Frau mit Hirn) ist dagegen so schwach, die hat es kaum geschafft, in meine Augen zu gelangen.
Galerie Lang Wien
(Seilerstätte 16)
Nina Maron
Bis 20. Dezember
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr
Die domestizierte Farbe
(cai) Stellen Sie sich einen beinhart gestreiften Pullover vor, und da
machen Sie jetzt ein paar lustige Laufmaschen rein. Ungefähr so ist das
Verhältnis zwischen Disziplin und Zwanglosigkeit beim Bernard Frize.
Die Farbe zwängt er in strenge Konzepte und lässt ihr dann in dieser
kontrollierten Umgebung ihren Willen. Mehr oder weniger. Ein
Perfektionist ergründet, was das ist, "der Zufall". Und für die
ebenmäßige Oberfläche sorgt eine Schicht Harz. Achtung: Vor diesen
vernünftigen, doch extrem sinnlichen Bildern gerät man ins Schwärmen.
Galerie nächst St. Stephan
(Grünangergasse 1/2)
Bernard Frize
Bis 16. Jänner 2010
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 25. November 2009
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