| Der Schlüssel zur Kunst | |
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"Wir sind eigentlich die wahrsten
Teamworker dieser Ausstellung", zeigt sich Tomi Scheiderbauer von der in
Spanien, in einer alten Mühle ansässigen KünstlerInnengruppe calc überzeugt. Seit zwei Jahren, seit sie den in Wien lehrenden Michelangelo
Pistoletto quasi als Nachbarn bei einer Ausstellung getroffen haben, sind
die jungen KünstlerInnen und der Altmeister der "arte povera" daran
gegangen, ihre Projekte zu verweben. "Unser Teamwork kennt alle Ebenen, bis auf das gemeinsame Werk in dem
Sinn, dass man es irgendwo hinstellen kann. Uns geht es um Prozesse, nicht
um Objekte", sagt Tomi Scheiderbauer, der von der Fotografie kommt, und er
unterstreicht damit das Motto der gesamten Ausstellung: Handeln als
Manifest. Aufgabenteilung Calc hat Piostoletto mit dem Netz vertraut gemacht, die Seite seiner Cittadellarte
gestaltet und gewartet. "Das hat mit der Generation zu tun", meint
Scheiderbauer, "er verwendet andere Medien. Dort, wo wir anfangen, hört er
auf." Freilich stimmt das jetzt nicht mehr ganz, denn, "wir sind ja jetzt ein
Team". Von den Jungen kommt die Software, von Pistoletto die Hardware. Jeder ist ein Künstler Für Wien hat calc, an eine alte Arbeit Pistolettos von 1976
anschließend, "onedrop - segno arte" mitgebracht. Jeder sollte sein
persönliches "artmark", sein "segno arte", sein Kunstzeichen entwickeln,
war die Idee von Pistoletto. Dieses persönliche Zeichen, noch vor allen anderen Zeichen und Logos,
sei der Schlüssel zur Kunst und "wenn du den nicht hast, kommst du gar
nicht rein", wie Scheiderbauer den Ansatz zusammenfasst. "Das hat uns gut
gefallen und so haben wir das gemacht." Im Mittelpunkt der Mensch So wie Pistolettos "segno arte" den Einzelnen einlädt, sein Zeichen zu
Papier zu bringen, so will calc den oder die Einzelne(n) in einem
riesigen, leicht beweglichen und verletzlichen Tropfen aus dünner
Plastikfolie einfangen und ihn oder sie zum Mittelpunkt machen.
"Es ist erstaunlich, wie die Leute sich plötzlich anders verhalten,
wenn sie in den Tropfen eintreten", freut sich Tomi Scheiderbauer. Die
Installation verändert das Bewusstsein. Gleichzeitig ist sie ein simpler
Trick, Netzkunst im Museum ansprechend zu inszenieren. Ein Computer an
irgend einem Tisch ist leicht langweilig. Eine raumfüllende Installation,
die einen Computer birgt, reizt zur Erkundung. Setzen Sie ein Zeichen "Bei uns ist der Besucher heilig und nicht die Kunst, deswegen darf er
da rein. Er muss nur die Schuhe ausziehen." Im Inneren des Tropfens steht
ein Computer, an dem man sein eigenes "segno arte" erstellen kann - "arte
povera - online", wie Scheiderbauer verschmitzt sagt. Es gibt nur Scharz und Weiß, Linien und Striche "und am Ende sagt du
'send' und das wandert ins Archiv und da kannst du eine Thumbnail-Bank
abrufen". Das Zeichenbrett wird übrigens erst ab der Ausstellungseröffnung
funktionieren. Aber Kunstfreudige können schon jetzt ihr "arte segno" im
Kunsthaus
Bregenz abliefern. Bei ihrem Projekt geht es calc, wie zuvor auch schon Pistoletto, der
mehr als 2000 materielle Kunstzeichen gesammelt hat, nicht ums Sammeln im
eigentlichen Sinn, es geht um das Mitmachen. Es gibt keinen Autor, keine
Autorin, kein Datum, nur die Zeichen. Das Archiv bleibt online, damit man
es gestalten kann, nicht damit man sammelt. | ||||