Kein Kitsch

In dieser Ausstellung, die erstmals außerhalb Frankreichs gezeigt wird, ist das charakteristische unbeschwerte "poetische" Lebensgefühl der beiden Künstler zu sehen.


Ihre Platten- und Zeitschriftencover, Kinoplakate und Videoclips zählen längst zum Kanon der zeitgeistigen Populärkultur. Von Donnerstag an ist das Werk des französischen Künstlerduos Pierre & Gilles erstmals in Österreich zu sehen. Unter dem Titel "Arrache mon coeur" präsentiert das Kunsthaus Wien bis 26. Mai ihren Kitsch-Kosmos aus Herz-Schmerz, Eros, Mythen und Ikonen in 75 Fotoarbeiten der vergangenen drei Jahre.

"La Diable", Marie-France, 2000 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: Pierre et Gilles. Courtesy Galerie Jérôme de Noirmont, Paris

Seit 25 Jahren arbeitet das schwule Paar zusammen. Gemeinsam entwerfen sie ihre Szenarien. Pierre fotografiert, Gilles bearbeitet die vergrößerten Abzüge mit malerischen Techniken weiter. Integraler Bestandteil der Bilder ist schließlich der Rahmen, mit einer stilistischen Bandbreite von monumentalen Gold-Ungetümen bis zu glitzernden Kunststoffwülsten. Die ikonenhaften Arbeiten von Pierre & Gilles sind glatte Oberflächen ohne Tiefe, zusammengesetzt aus dem Fundus der Kunstgeschichte und Mythologie ebenso wie aus der Alltags- und Trash-Kultur.

Schöne Jünglinge und Morbides

"Mercure", Enzo, 2001 / ©Bild: Pierre et Gilles. Courtesy Galerie Jérôme de Noirmont, Paris

Schöne Jünglinge als "Ganymed", "David" oder "Merkur" in einer Mischung aus sozialistischem Realismus und der Ethnografie des 19. Jahrhunderts, schwülstige Idyllen von Liebespaaren, Matrosen und Matadore, hinduistische Gottheiten neben einem heiligen Antonius mit erigiertem Penis und einem dreckverschmierten, tätowierten "Jesus" inmitten von Bierdosen. Ein Bub mit einem blutigen Teddybär im Arm und ein halb nacktes an einen Baum gefesseltes kleines Mädchen sollen Albträume aus der Welt der Kindheit illustrieren, düstere Soldatenbilder und Porträts erzeugen morbide Atmosphäre

Ernstgemeinte Kunst

"Dream Girl", Amanda Lepore, 2001 (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: Pierre et Gilles. Courtesy Galerie Jérôme de Noirmont, Paris

Als "Kitsch" wird gemeinhin der Ausdruck eines "unehrlichen" Gefühls gebrandmarkt. Das Problem dabei ist, wer die Ehrlichkeit der Gefühle anderer beurteilen will. Pierre & Gilles beteuern jedenfalls, ihre Kunst sei durchwegs ernst gemeint. Und in der Tat vermitteln die wenigsten ihrer Arbeiten wirklich Witz und Ironie. Selig, die glauben können.

Tipp

"Pierre & Gilles: Arrache mon coeur", von 14. Februar bis 26. Mai, Kunsthaus Wien, täglich geöffnet von 10.00 bis 19.00 Uhr, Informationen: 01/712 04 91.

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