http://www.nachrichten.at/nachrichten/ooen.asp?id=271201


GESPRÄCH: Österreichs große Malerin Maria Lassnig erhält Europas höchstdotierten Kunstpreis

"Ich will jetzt nur einsam arbeiten"

"Ich habe von diesem Preis nichts gewusst. Als ich angerufen wurde, bin ich fast auf den Hintern gefallen!" Maria Lassnig, die bedeutendste österreichische Malerin der Gegenwart, nimmt morgen im Kunsthaus Zürich den Roswitha Haftmann-Preis entgegen.

So wenig bekannt der erst zum zweiten Mal vergebene Preis auch sein mag, mit 81.400 Euro ist er einer der weltweit höchst dotierten Kunstpreise. In ihrem Hietzinger Domizil plaudert die 82-Jährige mit Wolfgang Huber-Lang von der APA.

Über zu geringe Preise braucht sich Lassnig nicht zu beklagen - weder was den Kunstmarkt noch was den Erhalt von Auszeichnungen betrifft. In Österreich hält sie seit dem vergangenen Jahr den Auktions-Preisrekord für zeitgenössische heimische Künstler (ihr Ölbild "Woman Power" wurde um 199.487 Euro ersteigert), und der Roswitha Haftmann-Preis ist bereits der dritte Kunstpreis, der ihr in den vergangenen Monaten zuerkannt wurde.


Steine in den Weg gelegt

"Die Europäer haben offenbar Angst gehabt, dass ich ihnen wieder nach Amerika abhanden komme", schmunzelt die Malerin, die mehr als ein Jahrzehnt in New York verbrachte, "und haben mir daher Steine in Form von Preisen in den Weg gelegt."

Über Roswitha Haftmann hat sich Lassnig nach dem ersten freudigen Schrecken eingehend informiert: "Sie war Mannequin und ging von der Schweiz in die USA. Als sie wieder zurückkam, wurde sie eine begehrte und wissbegierige Galeristin. Nach ihrem Tod 1998 hat sie sehr viel Geld für eine Stiftung hinterlassen, die Künstler auszeichnen soll, die bereits ein Lebenswerk hinter sich haben."

Nach dem US-Künstler Walter de Maria ist Lassnig nun die zweite Geehrte. "Von allen europäischen Ländern ist mir die Schweiz am meisten wohlgesinnt." Hier wurde sie mit großen Ausstellungen gewürdigt, hier wird sie auch von Museen gesammelt. "Die anderen haben es sich ja alle verdorben mit mir!" Auch Österreich? "Österreich hat sich's auch verdorben mit mir!"

Als Beleg für ihren Unmut empfiehlt Lassnig, die 1980 an der Hochschule für Angewandte Kunst Österreichs erste Malerei-Professorin wurde und 1988 den Großen Österreichischen Staatspreis erhielt, einen Blick in das Museumsquartier: Dort hängt nur ein "einziges kleines Bildchen von mir."

Für die nächste Zeit hat sie nur einen Wunsch: "Herauskommen aus diesem Menschen-Gewusel. Eigentlich möchte ich jetzt nur mehr einsam arbeiten." Arbeiten. Das ist der Künstlerin, die sich gegen alle Widerstände mit zäher Beharrlichkeit ihren einzigartigen Platz in der Kunstwelt erarbeitete das Wichtigste.


Umzug in ein neues Atelier

Das ist vermutlich auch der Grund, warum nicht nur im persönlichen Umgang ihr immer wieder aufblitzender jugendlicher Charme und das Lächeln, das gelegentlich über ihr Gesicht huscht, nicht vermuten lassen, dass Lassnig am 8. September 83 wird, sondern auch ihre Arbeiten der letzten Jahre keineswegs nach Alterswerk aussehen. Im Gegenteil.

"Noch immer - oder schon wieder - becirct sie mit ihrem malerischen Gestus", befand etwa die "Frankfurter Rundschau" über ihre jüngste Ausstellung in Hannover.

Zum Arbeiten braucht sie nun aber ein größeres Zimmer, denn ihr Atelier-Zimmer in Hietzing sei zu eng und nur über Stiegen erreichbar. "Deswegen bin ich auch so dankbar für den Haftmann-Preis. Ich muss umziehen. Diese Gegend ist zwar wunderbar, aber ich brauche ein größeres Atelier. Und eines mit Aufzug."


OÖN vom 13.03.02 zuletzt geändert am: 12.03.02 17:47:35


© 2002 OÖNachrichten. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.


zurück