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Die Sixties: Schillernde Farben, Formen, Flower-Power,
Pop-Musik. Unter dem Titel "Lob der Malerei", zeigt das KunstHausWien das
dritte Revival der legendären Gruppe "Wirklichkeiten." Sechs
Individualisten, jung, unbekannt, neugierig und aufrichtig, sorgten im
"wilden" Jahr 1968 für eine kleine Kunstrevolution in der Wiener
Secession. Der phantastische Realismus galt damals als Staatskunst, in der
Galerie St. Stephan sammelte Monsignore Otto Mauer eine Malergruppe um
sich: Mikl, Hollegha, Prachensky, Rainer. Sonst tat sich nicht viel.
Im Mai 1968 fiel eine Ausstellung in der Secession aus,
Otto Breicha fand einen Lückenfüller und landete mit den "Wirklichkeiten"
einen Erfolg. Wolfgang Herzig, Martha Jungwirth, Kurt Kocherscheidt, Franz
Ringel, Peter Pongratz und Robert Zeppel-Sperl hießen die Künstler, die
unter dem Label "Wirklichkeiten" auftraten, befreundet waren und doch
eigenständig arbeiteten. "Konzept Art, Minimalismus, Patterns: diese
Jungen wollten sich dagegen auflehnen," meint Breicha. Malerei war "out",
abseits des Mainstream suchten die sechs ihre Wirklichkeit, und die war
ausgesprochen malerisch.
"Herzigs Bilder sind unmißverständlich. Er malt so, daß
sich jeder auskennen soll", so Breicha über Herzig. An Otto Dix' erinnert
seine drastische, direkte Malerei. "Cocktail" entlarvt bürgerlichen
Smalltalk, surrealistisch mutet "Hommage auf Garcia Lorca" an: abgehackte
Hände, Blut strömt. Die Couch, auf der "Die neue Olympia" ruht, ist vom
Science-fiction Design inspiriert.
Die 68er Kunstrevolution der "Wirklichkeiten" ist typisch
österreichisch. Psychoanalyse, Katholizismus, malerisches Experiment,
Heimatkritik und das damalige Pop-feeling prägen alle Arbeiten.
"Ich habe kein ideologisches Konzept. Ich will das
Publikum, das intellektuelle inbegriffen, nicht überfordern," schreibt
Kurt Kocherscheidt. "Ich male Geschichten und lege darauf Wert, daß sie
genug farbig geraten." Organische Formen, das Spiel mit Linien,
Strukturen, Flächen prägen seine Malerei, die Titel erzählen: "Sommer
after Makart", "Urwaldszene mit King Kong", "Die Macht der Termite."
Martha Jungwirths Credo: "beim malen nicht denken". Sie dringt in die
höheren Gefilde der Abstraktion vor. Sehr schön in schillernden Farben ist
die collagierte "Aktfigur", eine ihrer wenigen konkreten Arbeiten.
Franz Ringel: schon damals grausam, vielschichtig,
tiefenpsychologisch. "Bildernarren wie ich gehen nicht von existierenden
Bildern aus. Sie erfinden neue Bilder, die es noch nie zuvor gegeben hat",
meint Peter Pongratz. Er erforscht malerisch gänzlich neue Blickwinkel:
"Nilpferdfallenpfanne" oder "Aufgeklappter Nilpferdschnitt." Pongratz
setzte sich intensiv mit den Gugginger Künstlern auseinander. "Porträt des
schizophrenen Johann Hauser" zeugt davon.
Robert Zeppel-Sperl will schöne Bilder malen, sie sind
Zeitdokumente. Die "Yellow Submarine" läßt grüßen, Zeppel-Sperl ist
gestylt wie Ringo Starr. Die Beatles, Engel, Blümchen, Love and Peace
zieren seine Bilder. Sich selbst malt er als Hippie-Pantokrator. So naiv
wie "Make love, not war".
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