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03.10.2002 - Ausstellung
Pop-Art auf österreichisch
"Lob der Malerei" lässt im KunstHausWien eine Ära auferstehen. Die legendären "Wirklichkeiten" sind eine malerische 68er Revolution auf österreichisch.
VON ISABELLA MARBOE


Die Sixties: Schillernde Farben, Formen, Flower-Power, Pop-Musik. Unter dem Titel "Lob der Malerei", zeigt das KunstHausWien das dritte Revival der legendären Gruppe "Wirklichkeiten." Sechs Individualisten, jung, unbekannt, neugierig und aufrichtig, sorgten im "wilden" Jahr 1968 für eine kleine Kunstrevolution in der Wiener Secession. Der phantastische Realismus galt damals als Staatskunst, in der Galerie St. Stephan sammelte Monsignore Otto Mauer eine Malergruppe um sich: Mikl, Hollegha, Prachensky, Rainer. Sonst tat sich nicht viel.

Im Mai 1968 fiel eine Ausstellung in der Secession aus, Otto Breicha fand einen Lückenfüller und landete mit den "Wirklichkeiten" einen Erfolg. Wolfgang Herzig, Martha Jungwirth, Kurt Kocherscheidt, Franz Ringel, Peter Pongratz und Robert Zeppel-Sperl hießen die Künstler, die unter dem Label "Wirklichkeiten" auftraten, befreundet waren und doch eigenständig arbeiteten. "Konzept Art, Minimalismus, Patterns: diese Jungen wollten sich dagegen auflehnen," meint Breicha. Malerei war "out", abseits des Mainstream suchten die sechs ihre Wirklichkeit, und die war ausgesprochen malerisch.

"Herzigs Bilder sind unmißverständlich. Er malt so, daß sich jeder auskennen soll", so Breicha über Herzig. An Otto Dix' erinnert seine drastische, direkte Malerei. "Cocktail" entlarvt bürgerlichen Smalltalk, surrealistisch mutet "Hommage auf Garcia Lorca" an: abgehackte Hände, Blut strömt. Die Couch, auf der "Die neue Olympia" ruht, ist vom Science-fiction Design inspiriert.

Die 68er Kunstrevolution der "Wirklichkeiten" ist typisch österreichisch. Psychoanalyse, Katholizismus, malerisches Experiment, Heimatkritik und das damalige Pop-feeling prägen alle Arbeiten.

"Ich habe kein ideologisches Konzept. Ich will das Publikum, das intellektuelle inbegriffen, nicht überfordern," schreibt Kurt Kocherscheidt. "Ich male Geschichten und lege darauf Wert, daß sie genug farbig geraten." Organische Formen, das Spiel mit Linien, Strukturen, Flächen prägen seine Malerei, die Titel erzählen: "Sommer after Makart", "Urwaldszene mit King Kong", "Die Macht der Termite." Martha Jungwirths Credo: "beim malen nicht denken". Sie dringt in die höheren Gefilde der Abstraktion vor. Sehr schön in schillernden Farben ist die collagierte "Aktfigur", eine ihrer wenigen konkreten Arbeiten.

Franz Ringel: schon damals grausam, vielschichtig, tiefenpsychologisch. "Bildernarren wie ich gehen nicht von existierenden Bildern aus. Sie erfinden neue Bilder, die es noch nie zuvor gegeben hat", meint Peter Pongratz. Er erforscht malerisch gänzlich neue Blickwinkel: "Nilpferdfallenpfanne" oder "Aufgeklappter Nilpferdschnitt." Pongratz setzte sich intensiv mit den Gugginger Künstlern auseinander. "Porträt des schizophrenen Johann Hauser" zeugt davon.

Robert Zeppel-Sperl will schöne Bilder malen, sie sind Zeitdokumente. Die "Yellow Submarine" läßt grüßen, Zeppel-Sperl ist gestylt wie Ringo Starr. Die Beatles, Engel, Blümchen, Love and Peace zieren seine Bilder. Sich selbst malt er als Hippie-Pantokrator. So naiv wie "Make love, not war".



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