| Schöner wohnen ist utopisch | |
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Von Friedrich Tietjen. |
"In den letzten Jahren ist die Idee des
Fortschritts in den Ruf der Monstrosität gekommen. Utopisches Denken gilt
als naive, gefährliche Hybris," klagen Zaha Hadid und Patrik Schumacher im
Vorwort des Kataloges. Diese Gleichsetzung von Fortschritt und Utopie
führt die von ihnen kuratierte Ausstellung allerdings geraden Wegs in die
Affirmation des Bestehenden.
Kapitalismus ist Fortschritt An den ausgestellten Arbeiten lässt sich dies in unterschiedlicher
Deutlichkeit erkennen. Beschränken sich eine Reihe von ihnen darauf, mehr
oder weniger gelungen "Form follows Function" als Maxime der Architektur
der klassischen Moderne zu subvertieren, machen andere wiederum deutlich,
auf welcher Grundlage Fortschritt und Utopie hier gedacht werden. Die britischen Foreign
Office Architects erklären zu ihrem Projekt zum Wiederaufbau von
Ground Zero: "Mit dem Bundle Tower sollte ein neues architektonisches Maß
für zukünftige Höhepunkte der Intensivierung und Aktivierung geschaffen
werden. Ziel war die Einführung von Hochhausstrukturen, die eine weitere
Stufe der kapitalistischen Entwicklung im 21. Jahrhundert tragen werden."
Im Klartext: Fortschritt ist Kapitalismus. Dass eine solche Ansicht aus
guten Gründen kritisierbar ist, kommt in der Ausstellung so wenig in den
Blick wie Utopien und Architekturen anderer gesellschaftlicher
Organisationsformen. Oberfläche ist attraktiv Statt dessen glänzt sie durch gelungene Oberflächenbehandlungen:
Handwerklich beeindruckend verarbeiteten Modelle wie die von NOX wechseln
mit Installationen, die einige Spielmöglichkeiten und ein erheblich
größeres Maß an optischer Attraktivität aufweisen: In einem von Reiser & Umemoto
entworfenen Kubus etwa sind einige hundert kleine und fluoreszierend
gefärbte Röhrchen leicht beweglich aufgehängt, deren Ausrichtung durch
außen von Spulen erzeugte Magnetfelder und deren Störungen durch die
Körper der Besucher bestimmt wird. Was allerdings an solchen Arbeiten
latent, was utopisch sein soll, bleibt undeutlich - ihr Mangel an
Konkretion lässt sie eher als fantastische Improvisationen erscheinen. Link: Latente
Utopien | ||||