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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
09. Februar 2006
17:57 MEZ
Markus Mittringer
aus Madrid

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arco.ifema.es  

Foto: APA/EPA/KIKO HUESCA
Skulptur von Werner Reiterer bei der Galerie Eugen Lendl

Im Zweifel lieber gleich die alten Helden
Die Schwerpunktsetzung durch das Gastland Österreich beeindruckt die Madrider Kunstmesse Arco wenig

Wir zeigen uns als mustergültig kompatibel. Auffallendes ist da nicht drin. Immerhin wird statt Mozart mit Arnulf Rainer ein Künstler präsentiert, der sich noch äußern könnte.


Nun also ist es so weit, "austria at Arco" – und gleich vorweg: An der internationalen Kunstmesse von Madrid vermochte das Gastland Österreich nichts zu ändern. Das ist an sich nicht weiter schlimm, bloß stellt sich doch vielen Besuchern der publikumsintensivsten Kunstmesse der Welt die Frage, was denn dieses Gastland nun eigentlich erzählen wollte.

Nicht etwa in jenem Eck der Messe, in dem die alpenländische Galerienszene sich in den Gästezimmern eingerichtet hat: Dort ist alles untadelig, dort gibt es Espresso im Café Rockenschaub, dort haben die Galerien einen gemischten Satz aus ihren Programmen angelegt, der keinen Vergleich zu scheuen braucht; dort findet sich, ermöglicht durch Rosemarie Schwarzwälder, eine verwegene Doppelconference zwischen Adrian Schiess' gelackten Oberflächen und den Überlegungen zur Abbildbarkeit von Landschaft, wie sie Herbert Brandl anstellt.

Dort findet man auch Hubert Winters Koje mit tiefem Franz-Vana-Grund als Folie, das jüngere Programm von Béatrice Dreux bis Michael Höpfner in Szene zu setzen, dort lässt sich gut an den verstreuten Wests und Wurms und Gironcolis und all den anderen Exportgütern vorbeistreifen. Dort schließlich zeigt der gehobene heimische Handel, dass er selbstverständlich auch internationale Feinkost im mit Bedacht geschnürten Madrid-Bündel hat.

Weil: Man weiß ja nie, wer da so daherkommt, Sammler ist und dementsprechend eigenwillige Wünsche hat. Und: Die so positive Unauffälligkeit der massiven Österreich-Fraktion wird von der ganzen Kunsthandelswelt materialintensiv bestätigt: Die Arco ist ein unfassbar gemischter Laden.

Nicht nur, dass da ganz wenige Aussteller sind, die auf die in Künstlerviten so beliebte One-Man-Show setzen, nicht nur, dass da keiner sich in der Behauptung "Das ist der Trend jetzt!" ausstellt. Vielmehr schon hat sich endlich auch im Kunsthandel durchgesetzt, womit aller anderen Waren Vertreter seit Langem schon richtig positioniert sind: Der Kunde ist König!

Berührende Studien

Und also wäre es doch lachhaft, kein Foto im Portfolio zu haben, und also ist es doch kein Widerspruch nebstbei auch berührende Studien zur Selbstbefindlichkeit in Öl anzubieten oder Videos, die sich auf schicken Flatscreens in jedem Appartement bewähren. Und das mit der Ideologie ist auch kein Problem mehr:

Von politisch korrekt bis politisch absolut nicht korrekt ist meist alles an einem Stand zu erwerben. Wer sich da nicht recht entscheiden kann, greift am besten zu Fotografien oder Videos von Shirin Neshat.

Da kann man angesichts dramatisch ins rechte Licht gesetzter Frauenkörper aus dem Islamischen gut das Mitleid mit dem Voyeurismus paaren, das kulturelle Interesse und das Kitzeln im Schritt simultan befriedigen.

Simultan ist ja eminent wichtig, weil nicht nur auf einer Kunstmesse so viel gleichzeitig stattfindet (Empfänge der österreichischen Botschaft etwa, die eben dann gegeben werden, wenn die Arco zur Preview lädt), sondern auch im richtigen Leben.

Im richtigen Leben von Madrid, also außerhalb der Ifema-Messe-Hallen hat sich dann auch der Rest des austria-at-Arco-Engagements zugetragen: Etwa im Keller der Fondación Canal, der einer ungemein mickrigen Präsentation österreichischen Designs Platz gab: Dort warfen die Info-Folien derartig gotische Falten, dass man an die Teleportation einer Zotter-Schokolade durch Anton Zeilinger gar nicht erst glauben konnte.

Zum Glück stand da ein KTM-Motorrad sponsored by den typisch österreichischen Zigaretten Gauloises, mit dem man dem Wurm in der Präsentation entfliehen konnte.

Und sonst braucht man schon viel "Postmediale Kommunikation", um die gleichnamige Anhäufung von Kunstware nach Graz auch noch in Madrid zu ertragen. Bleibt eine beeindruckende Schau zum Zusammenspiel von Arnulf Rainer und Dieter Roth, und die Befriedigung, dass der Spanier jetzt sehen kann, was in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts bei uns so geleistet wurde. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2006)


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