Buergel, der 1962 in Berlin geboren wurde und seit 1983 in Wien lebt, wurde Anfang Dezember als künstlerischer Leiter der documenta 12 vorgestellt, die vom 16. Juni bis 23. September 2007 stattfinden soll. Der in Fachkreisen geschätzte, öffentlich kaum bekannte Künstler und Theoretiker hegt selbst eine gewisse Skepsis gegenüber Großausstellungen: "Ich glaube, dass bei Großausstellungen auch mit Recht eine gewisse Müdigkeit von Seiten der Betrachtung eingetreten ist. Es ist mein Interesse, aber sicher auch das der Künstler und Kuratoren, die Form der Ausstellung weiterzutreiben."
"Parcours mit vier, fünf Stationen"
Der Kunstkenner, der auch an der Hochschule Lüneburg unterrichtet, überlegt, "die Stadt selbst zu einem Parcours zu machen mit vier, fünf Stationen. Das heißt, die Ausstellung auch gegenüber der Stadt zu öffnen". Wichtig sei für ihn, "Orte in Kassel zu finden, die humane Maße haben, die Ausstellungsmodule ermöglichen, die klar, thematisch stringent, aber auch überschaubar sind. Die nicht den Charakter haben von Messehallen. Man kann zum Beispiel Räume wie die Alte Brauerei anders gestalten. Es gibt keine Verpflichtung, die zu füllen."
Seine eigene Rolle in der Gestaltung der Kunstschau spielt der umgänglich auftretende künftige Direktor herunter: "Das ist eine Ausstellung, die nur funktioniert, wenn sie von den Künstlern und vom Publikum gemacht wird. Ich würde der Rolle des künstlerischen Leiters gar nicht so viel Aufmerksamkeit beimessen."
Keine Abgrenzung
Buergel, der über seine Arbeit für die Kunstzeitschrift "Springerin" mit bedeutenden Gegenwartskünstlern enge Kontakte geknüpft hat, kann auch den immer wieder beschworenen Gegensatz von Theorie und Praxis nicht erkennen: "Ich sehe diese Problematik der Abgrenzung nicht. Ich glaube, das ist ein Pseudokonflikt, wo in Wirklichkeit um den Kunstbegriff gestritten wird." Kunst ist für Buergel, der das Malen selbst aus Zeitgründen zurückgestellt hat, "ein Medium, mit dem man Gesellschaft verändert. Kunst hat ein ganz starkes Handlungsmoment." (APA/dpa)