Rudi Stanzel

Die Leidenschaft der Reduktion

29. September 2010, 17:46
  • Artikelbild: Rudi Stanzel stellt in Salzburg aus. Beispielsweise dieses Bild: "Ohne 
Titel" , Grafit auf Holz, 2009, 80 x 80 cm. - Foto: Galerie Weihergut
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    Rudi Stanzel stellt in Salzburg aus. Beispielsweise dieses Bild: "Ohne Titel" , Grafit auf Holz, 2009, 80 x 80 cm.


Zarte, teils großformatige Grafit-Arbeiten zeigt Rudi Stanzel erstmals in einer Einzelausstellung in der Galerie Weihergut in Salzburg

Eine Auswahl weißer Bilder ist in der Wiener Galerie Ulysses zu sehen.

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Salzburg - Das Bunte und Grelle, das gerne vom Inhalt ablenkt, ist nicht sein Metier. Nur einmal habe er mit der Farbe Rot experimentiert. Weil ihn "die Bilder erschlagen haben" , sei es bei diesem Versuch geblieben. Als Meister der Reduktion weiß der in Wien lebende Künstler Rudi Stanzel von der Kraft, die im Beschränken liegt. Die Parameter für die künstlerische Umsetzung sind die Farben Schwarz, Grau und Weiß sowie vertikale und horizontale Linien. Bilder, die wie einfache Mathematikformeln wirken. Der Materialität der Farben gilt sein Interesse, nicht der Farbigkeit.

Beeindruckend, welche Aussagekraft Stanzel mit seinen Grafit-auf-Holz-Arbeiten erzielt, ohne in einen riesigen Farbtopf zu greifen. "Ich muss nicht 256 verschiedene Farben haben, um etwas auszudrücken, sondern es reichen zwei. Und es reicht das Rechteck" , sagt Stanzel. Denn das Rechteck bezeichne eine abstrakte Leere und sei weniger Symbol denn Symptom. Auf diese Weise entwickeln Stanzels Bilder eine experimentelle Ästhetik: Das Material wird nicht in erster Linie zur Abbildung verwendet, sondern durch kleine Eingriffe transformiert. Mit Kreissäge oder Winkelschleifer (Flex) zieht er in das Sperrholz Linien, darüber wird eine Mischung aus Grafit und Ton aufgetragen. Was brachial daherkommt, wirkt bei näherer Betrachtung zart und zerbrechlich. Die Oberfläche dient als Spurenanalyse zeitkritischer Themen. "Mir geht es auch um neue Wahrnehmungsgewohnheiten, etwa durch Überlagerung der Strukturen" , erklärt Stanzel, der sich seit den 1980ern mit Grafit beschäftigt.

Diese zum Teil großformatigen Bilder zeigen auch noch eins: Zu Stanzels künstlerischem Vokabular gehört auch das Überschreiten von Grenzen. Wo nichts ist, entstehen Versuche, die Welt zu beschreiben. Stanzel hat seine radikale Lösung im Prinzip der Einfachheit gefunden.

In der Wiener Galerie Ulysses sind bis zum 16. 10. Bilder des Künstlers aus den letzten zwanzig Jahren zum Thema ... und weiss zu sehen. (Christian Weingartner, DER STANDARD - Printausgabe, 30. September 2010)

Bis 14. 11., Galerie Weihergut
Biberngasse 31, 50 20 Salzburg

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