Kunst, Kontrollschwächen und Korruption
Die Probleme in der Kunsthalle Wien sind ein Beispiel für ein grundlegendes Manko in vielen Kulturinstitutionen.
W er über Kulturpolitik und -institutionen berichtet, hat derzeit viel über Strafanzeigen, Korruptionsstaatsanwaltschaft oder Untreue zu schreiben. Jüngstes Beispiel ist die Kunsthalle Wien, deren Direktor Gerald Matt seit Monaten einer Flut von Vorwürfen ausgesetzt ist, die noch nicht glaubwürdig zu entkräften waren: versuchte Vermittlung von Staatsbürgerschaft gegen Geld, Honorare für Aufträge, für die Matt Angestellte der Kunsthalle arbeiten ließ, hohe Telefonspesen und lange Dienstreisen.
Was an all den persönlichen Vorwürfen dran ist, haben nun Staatsanwaltschaft, Gericht und Wiener Kontrollamt zu klären. Doch längst ist klar: Die Organisation der Kunsthalle Wien ist weit entfernt vom Vorbild einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Es gibt einen privaten Trägerverein, dessen Vorstand den Dienstvertrag mit dem Direktor verlängert. Solange der Vorstand keinen Muckser gegen den Direktor macht, kann dieser alles tun und lassen. Es gibt keinen Aufsichtsrat. Der Kulturstadtrat hat zwar Millionensubventionen zu verantworten, doch keinen Einfluss auf Betrieb und Direktorsbestellung. In dieser Konstruktion könnte man – schlimmstenfalls – einander lukrative Vorteile zuschanzen, während die Steuerzahler brav blechen.
Szenenwechsel: Peter Noever als Direktor des Museums für Angewandte Kunst (MAK) konnte im staatlich finanzierten Museum jahrelang Geburtstagsfeste für seine Mutter ausrichten. Oder: Für die Salzburger Festspiele bestätigt der Rechnungshof, dass der im Vorjahr aufgeflogene Betrug begleitet war von Schwächen in Rechnungswesen, Revision sowie einem unklaren Verhältnis zwischen Aufsicht und operativer Führung.
Bei Kunsthalle, MAK und Salzburger Festspielen gab oder gibt es Probleme mit Einzelnen, wie sie immer und überall auftreten können. Doch in allen Fällen wurde dies verschärft durch Mängel in Kontrolle und Eigentümerverantwortung.
Die Salzburger Festspiele werden sich – angeregt durch den Rechnungshof – grundlegenden Reformen unterziehen müssen. Für die Bundesmuseen wie das MAK hat Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) dieser Tage die Geschäftsordnungen der Kuratorien novelliert.
Spannend wird, wie lang Wiens Bürgermeister und Kulturstadtrat (beide SPÖ) noch zuschauen, wie die Kunsthalle Wien im Strudel der Korruptionsvorwürfe verheddert ist, ohne wenigstens deren organisatorische Reform anzugehen.


















