Die Pfeile des wilden Apollo. Klopstockkult & Ossianfieber
Daten
– Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, xE – Ausstellungsraum der Akademie der bildenden Künste WienBeschreibung
Jahrzehnte vor der französischen Revolution kam es in der Ära der Aufklärung zu einem abrupten Einbruch des Irrationalen, der sich in überschwänglichen Gefühlsäußerungen, in Vorstellungen eines spiritualistischen Geschlechtertauschs und einer gebrochenen, heroisch-introspektiven Kunstauffassung äußerte. Der sich abzeichnende Epochenwechsel leitete eine für die Bildkunst problematische Ablösung des Augenscheins durch das Sphärische und Diffuse ein mit einer verstärkten Hinwendung zur Akustik.
Nichts scheint diesen „acoustic turn“ besser zu fassen als der Topos des blinden Sehers und Dichtersängers, der in den Ausprägungen eines Homer, eines Ossian und eines John Milton als dichterisches Leitbild dieses Epochenwechsels fungierte. Miltons grandiose innere Bilder wurden als Inbegriff des romantisch Sublimen gehandelt, der von ihm literarisierte Mythos des verlorenen und wiedergewonnenen Paradieses mit dem mesmeristischen Wachschlaf assoziiert. Es war der deutsche Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, der sich seit den frühen 1750er Jahren mit seinem pietistischen Epos Der Messias. Ein Heldengedicht als Nachfolger Miltons in Stellung brachte und damit auch den selbsternannten englischen Nationalbarden William Blake herausforderte.
Für den Kulturphilosophen Herder waren die „Pfeile des wilden Apollo“ die mitreißenden Klänge einer frühen Folkbewegung und die nordischen Drone-scapes einer aufkeimenden Nationalmystik, die sich in dem pseudo-keltischen Dichtungszyklus Ossian ankündigte. In den Visionen des Dichter-Superstars Klopstock erschien der wilde Apollo in einer kelto-germanischen Aufmachung, die die Welt mit ihrem Bardengesang und kosmischen Eistanz in kreativen Aufruhr versetzte. Der passionierte Eisläufer Klopstock, der nirgends populärer als in Österreich war, stieg zum Vorbild einer empfindsamen Skater-Bewegung auf, die Entgrenzung in der Motorik suchte.
Die Ausstellung reflektiert anhand einiger signifikanter künstlerischer Beispiele den Epochenwechsel von der Aufklärung zum Irrationalismus des Sturm und Drang und der Romantik. Erstmals wird Klopstocks immenser Einfluss auf die Bildkunst und Musik seiner Zeit beleuchtet. Über Interpret_innen wie Angelika Kauffmann, Heinrich Friedrich Füger, Josef Abel und Franz Schubert war der republikanische Dichter zur Zeit der Befreiungskriege überraschenderweise auch im habsburgischen Kaisertum überaus präsent. Zu den Klängen von Joseph Haydn, Christoph Willibald Gluck und Franz Schubert werden Werke des österreichischen Klassizismus, Zeugnisse der internationalen Frühromantik und narkotische Bildwelten der Nazarener kombiniert.
Neben Werken aus der Gemäldegalerie und zahlreichen Leihgaben bilden Exponate aus dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien einen Schwerpunkt in der Ausstellung. Das Projekt wird weiters im Rahmen der Lehre unter Beteiligung von Studierenden der Akademie der bildenden Künste Wien ausgeführt und ist in der Exhibit Galerie und drei Räumen der Gemäldegalerie zu sehen. Als Begleitbuch zur Ausstellung Die Pfeile des wilden Apollo erscheint ein umfangreicher Bild-Essay-Band.
[Quelle: http://web.archive.org/web/20250307124900/https://www.kunstsammlungenakademie.at/de/ausstellungen/die-pfeile-des-wilden-apollo-klopstockkult--ossianfieber-732552025/]
Beteiligte
Josef Abel, Edmund Aigner, Ancient Britons Team, Christian Azzouni, Johann Wilhelm Baur, William Bell Scott, Thomas Blackwell, William Blake, Filippo Caporali, Thomas Chatterton, Daniel Chodowiecki, Edward Davies, Josef Dorffmeister, Ina Aloisia Ebenberger, Bonaventura Emler, Hicran Ergen, Heinrich Friedrich Füger, Johann Heinrich Füssli, Christoph Willibald Gluck, Hendrick Goltzius, Johann Valentin Haidt, Joseph Haydn, Anton Herzinger, William Hogarth, Anne Hunter, Bartholomäus Hübner, Friedrich John, Owen Jones, Eginhartz Kanter, Angelika Kauffmann, John Kay, Johann Gottfried Klinsky, Friedrich Gottlieb Klopstock, Simon Petrus Klotz, Joseph Anton Koch, Carl Wilhelm Kolbe der Ältere, Julia Kronberger, Leopold Kupelwieser, Johann Caspar Lavater, Johann Friedrich Leybold, William James Linton, Johann Heinrich Lips, Hieronymus Löschenkohl, Josef Löwy, James Macpherson, Charles-François-Adrien Macret, Prima Mathawabhan, Jacob Wilhelm Mechau, Heinrich Merz, Isaac Mills, Jean-Michel Moreau, Wilhelm Müller, Friedrich Olivier, Carl Hermann Pfeiffer, Johann Peter Pichler, Amar Priganica, Albert Christoph Reindel, Johann Christian Reinhart, Alexander Roob (Kurator/in), Ferdinand Ruscheweyh, Luigi Schiavonetti, Liese Schmidt, Julius Schnorr von Carolsfeld, Ludwig Schnorr von Carolsfeld, Moritz von Schwind, Franz Xaver Stöber, Josef Sutter, Johanna Dorothea Sysang, Giambattista Vico, Marianne von Watteville, Josef Wintergerst, Franz Wolf, Pia Wurzer, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Felice Zuliani
Objekte
(Archivalien, Publikationen, Werke)
| 2025 | "Klopstockkult & Ossianfieber" in der Akademie (Text) |