Einzelausstellung Celina Eceiza. Ofrenda

Daten

– Halle für Kunst Steiermark

Beschreibung

Koproduktion: Museo de Arte Moderno de Buenos Aires

Ähnlich einem wohligen, künstlich gestalteten Organismus wirkt die Installation umfassend und eigentümlich lebendig. So finden sich die Besucher:innen in einer Situation wieder, in der die vorgefundenen Zustände und Eindrücke sich schrittweise verändern. Celina Ezeica verkleidet den Raum ganzheitlich und schafft somit das, was sie selbst als ein ​„soft museum“ bezeichnet: einen begehbaren immersiven Raum, dessen mit warmen Farben ausgestattete Stoffe auch einem Organ gleichen, in den man eintauchen kann und der durch seine textilen Wände den ursprünglich strikten konkreten Raum des White Cubes verhüllt und dekonstruiert. Die gewohnte Stabilität des Gebäudes und ihre starren baulichen Elemente kommen dabei metaphorisch etwas ins Wanken. Die spätmoderne Architektur und ihre orthogonalen weißen Wände sind durch diese fröhliche raumgreifende Intervention nicht wiederzuerkennen, lösen sich in einem intensiven Farbrausch auf und werden zu einem weichen (an)organischen Körper, den es zu erfahren gilt.

Vom Boden bis zur Decke sind sämtliche Wände mit Hunderten Metern Stoff drapiert, die durch die kollektive und zeitlose Kulturtechnik des Nähens miteinander verbunden sind und nun eine einzige geschlossene Oberfläche bilden. Diese malerisch gestaltete ​„Haut“ und ihre ​„Falten“ sind zwar resilient, zugleich aber auch empfindlich gegenüber Veränderungen: Um diese Fragilität geht es Eceiza auch. Es ist ein empfindsames, einladendes Museum, das nicht mehr das Sehen als wichtigsten Sinn versteht und die Vision als grundlegend für Wissen, sondern auch das Fühlen und das Haptische in den Vordergrund stellt. Durch ihr begehbares Gesamtkunstwerk bezieht sie sich einerseits auf spirituelle Ideen eines erweiterten Universums, das Energien, materielle und körperliche, aber auch immaterielle, und sogar jenseitige Formen des Lebens integriert, zugleich zielt sie aber auch darauf, den Museumsraum auf dieser Basis niedrigschwelliger zu gestalten.

Eine metabolische, veränderliche Kraft bestimmt die Entwicklung von Eceizas Werk, zu dem Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen gehören, die sowohl kleinteilig, als auch großformatig, filigran bis elementar sind. In ihnen verbindet die Künstlerin in langwieriger Handarbeit textile Techniken und Verfahren wie Patchwork, Collagen aus gesammelten Objekten und neuerdings auch Gips- und Kreidepastell, die ihren Bildern eine überraschende Ambivalenz oszillierend zwischen suggestiver Präsenz und nahezu präziser Flüchtigkeit verleihen. Ihre Kompositionen sind reich an Fragmenten von sich wandelnden Körpern, sowie Blumen und Früchten in der Stillleben-Tradition. Die ineinander übergehenden Arbeiten stellen Bezüge zu Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts sowie verschiedene Aspekten der südamerikanischen Kulturgeschichte her, darunter mythologisch-religiöse Verweise, Spiritualität, New Age, sowie zu oppositionellen politischen und künstlerischen Bewegungen der komplexen Geschichte Argentiniens, aber auch zur griechisch-römischen Antike.

Damit schließt die Künstlerin an die gerade seit den 1960er- und 1970er-Jahren in Argentinien populäre Praxis einer Erweiterung des Kunstraums hin zu einer verstärkt gesellschaftlichen Nutzung und öffentlichen Debatte an, die sich auch aus einem erweiterten Verständnis und einer eigenständigen Interpretation von Modernität sowie einem vertieften Interesse an sozialen und politischen Fragestellungen speist und auch vor radikaleren Setzungen und alternativen Entwürfen bis hin zu umfassenden Gesamtkunstwerken nicht zurückschreckt.

Celina Eceiza interessiert sich hier für eine alternative Geschichte zum gängigen Bild der südamerikanischen Moderne, die sie in gegenläufigen, mitunter widerständigen Praktiken einer nicht auf Repräsentation ausgerichteten Produktion um historisch für sie wesentliche Künstler:innen wie Alberto Heredia, Juan Del Prete / Yente oder Nicolás Gracía Uriburu verortet, die vermutlich gerade wegen ihrer oppositionellen Haltung und eigenständigen künstlerischen Produktion eine nachhaltige Wirkung entfalteten. Eceiza hat sich aus der Sammlung des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires von vornehmlich malerischen Arbeiten inspirieren lassen und diese unter Einsatz von feingliedrig ineinander verwobenen Textilien in leuchtend collagierten Formen auf neue Arbeiten übertragen. Ähnlich einer frei interpretierten künstlerischen Ahnengalerie auf gelb leuchtendem Grund führt sie das Publikum so eingangs in ihre persönliche Lesart der argentinischen Kunstgeschichte ein.

Die Energie Argentiniens und der Blick in die hier so nahe Ferne wirkt ansteckend und befreiend, erst recht wenn man an Buenos Aires denkt, an die weitläufige Hafenstadt der ​„Guten Lüfte“, deren durch keine Krise unterzukriegende Bevölkerung, Porteñas und Porteños genannt, ihre reichen und diversen Traditionen immer wieder neu interpretieren und lebendig halten. Dabei spielen das Körpergefühl und sein individuelles und gesellschaftliches Verständnis eine wesentliche Rolle. In Ofrenda macht uns Celina Eceiza ein seltenes Geschenk, das auch in schwierigen Zeiten Zuversicht und Lebensfreude gibt, und darin Farbe bekennen lässt: Wie in einer geheimnisvollen, reich bestückten Kaverne kommen wir Eceizas phantastischer Welt und ihren Bewohner:innen nahe, um unsere eigenen Körper und ihre gesellschaftliche Kraft direkter und befreiter zu erfahren.

[Quelle: https://web.archive.org/web/20250000000000*/https://halle-fuer-kunst.at/ausstellungen/celina-eceiza-ofrenda/]

Beteiligte

Celina Eceiza

Objekte

(Archivalien, Publikationen, Werke)

2025 Presseinformation: Celina Eceiza. Ofrenda (Archivalie)
2025 Einladung: Celina Eceiza. Ofrenda (Archivalie)