Einzelausstellung Iris Andraschek. Horn bei Baden/St. Pölten

Daten

– Kunstverein Baden

Beschreibung

Wie der Titel schon vorgibt handelt Iris Andrascheks Ausstellung von der vergeblichen Suche nach Identität(en). Identitäten von Städten/Kleinstädten und deren BewohnerInnen, von dem vergeblichen und oft auch lächerlich wirkenden Versuchen in einer immer konformer und universeller werdenden, globalisierten Unternehmensumgebung und Unterhaltungsindustrie so etwas wie Individualität zu entwickeln, zu bewaren oder zu finden. In Heimwerker- Gardening – Einrichtungs- Accessoires- Fashion- Body Styling – Automobilabteilungen wird vergeblich nach Dingen gegriffen, die das eigene Leben weiterbringen sollten. Identitäts- Individualitäts- Universalitäts- und Globalisierungsvorstellungen und Wünsche beißen sich hier sprichwörtlich selbst in den Schwanz.
Ein neues Megaplex mit Freizeitausstattung (Bars, Restaurants, ein Body-Styling-Center etc.) in einer österreichischen Kleinstadt wird eröffnet. Es liegt in weit ausgebreiteter Landschaft nahe der Stadt, schließt an eine dörfliche Wohnsiedlung, Wiesen und Äcker. Im zweiten Stock des Gebäudes sind Kinos und ein Body- building Center. Im Parterre gibt es eine Reihe von Boxen mit unterschiedlicher Ausstattung: Irish Pub, Italienische Pizzeria, gestylte Bar, abgetrennt durch dünne Plattenwände. Für die Ausstattung gibt es Firmen, die spezialisiert sind, totale Illusion zu erzeugen: Mistgabeln an den Wänden hier und Fässer als Sitzgelegenheiten, Fischernetze mit Kunststofffischen da und dazwischen polierter Nirosta. Zur Eröffnung wurden junge Krokodile gebraten und an geladene Gäste gereicht. ... In Andrascheks Arbeiten sichtbar wird den Menschen der Boden unter den Füssen wackelig. Das wird auch sichtbar in Umgebungen, in denen Inszenierung, “Fake” und Wirklichkeit miteinander verschwimmen wie in den ländlichen Wohnhäusern, die an das Megaplex angrenzen. Computerdesignte Tirolerbalkons, aufgesetzte Giebel, Türme und Erker sind nur mehr Zitate, an industriegefertigten Pappkartoneinfamilienhäusern.
Wie verhält es sich damit in einer quasi globalisierten Welt. Sind die Personen, die in diesen Häusern wohnen, DörflerInnen, NiederösterreicherInnen, ÖsterreicherInnen, EuropäerInnen, EU-BürgerInnen, Angehörige der westlichen (demokratischen) Welt, ErdenbürgerInnen. Ein wenig von allem? Je nachdem?
Andrascheks Focus in dieser Ausstellung zielt auf kleinstädtische Umfelder und die Auflösung speziell dieser Umfelder und Identitätsmuster in einer Welt von globalisierter Wirtschaft, Unterhaltungsindustrie und Mediatisierung.
Rocker auf einem Motorradtreffen spielen die für 3 Tage perfekt durchorganisierte Rebellion. Ein Ort wird ausgelagert, alle Einwohner erhalten ein Ticket für ein Ferienwochenende irgendwo. Der Platz wird frei gemacht für eine Gruppe, die vor 20 Jahren noch Furcht einflößte, jetzt als Wirschaftsressource genutzt wird. Der Schaden den die Rocker (Menschen, die für 3 Tage aus ihrem normalen Leben aussteigen) anrichten steht in keinem Verhältnis zum Profit, den sie für den wirtschaftlich mäßig entwickelten Ort bringen.

Aktualisierte Ausschnitte aus dem Text Geteilte Zuversicht oder "the passion of the real" von Hubert Lobnig 2006

[Quelle: https://web.archive.org/web/20251214131353/https://www.kunstvereinbaden.at/ausstellung/iris-andraschek/]

Beteiligte

Iris Andraschek

Objekte

(Archivalien, Publikationen, Werke)

2015 Kunstverein Baden 1915-2015. 20 Jahre Kunstverein Baden (Publikation)