Einzelausstellung Sinta Werner. Der subversive Raum

Daten

– Kunstverein Baden

Beschreibung

Das Spiel mit der Illusion – ein Paradoxon
Mit ihren Raumkonstruktionen und Fotocollagen schafft Sinta Werner ein gedankliches Vexierbild, in dem das imaginierte Bild und die Realität analogisch miteinander verbunden sind. Der tatsächliche Raum erscheint als Bild des Raumes, wird flächig und irreal.
Sinta Werner produziert die Kulisse ihrer Täuschungsmanöver in fast malerischer Weise, Ähnlichkeiten entwerfend, ohne Perfektion simulieren zu wollen. Faktum bleibt das anfängliche Bild, das Bild der Täuschung, dessen Verführungskraft und eigene Realität. Damit etabliert Sinta Werner eine Bildhaftigkeit des Raumes, an der sich Realität und Illusion messen lassen. Eine Illusion aufzuspalten und in die profane Realitätswelt zurückfallen zulassen besitzt eine latente Kraft, birgt eine Gefahr. Sinta Werner versetzt den Betrachter in einen unbestimmten Zustand, er befindet sich in der Schwebe seiner Wahrnehmungsfähigkeit. Ein Moment des Kontrollverlustes – ein Moment der Zerstörung entsteht. Der Betrachter steht in einer kulissenartigen Realität, die auf den tatsächlichen Raum verweist und gleichzeitig Sinnestäuschungen variiert – er verliert in der Tat den Boden unter den Füßen.
Die Idee des Zerschneidens, Auflösens und Versetzens von Innenräumen, Fensterausblicken und Gebäudefassaden führt Sinta Werner präzise in ihren Foto- und Kopiecollagen aus, in denen der Schnitt mit dem Skalpell eine haarscharfe Kante bildet – beispielsweise: Space Collages, 2007, Fotopapier, 20 x 26 cm – . Hier entfaltet die Idee des Herauslösens und Selektierens durch den Schnitt eine subtile Brisanz. Die Collagen, die im Gegensatz zu den Raumkonstruktionen Bild sind und bleiben, wirken stringent und zudem variabel: Sie wecken eine horrible, spielerische Lust die Idee der Zerlegung und Auflösung auf unzählige Räume und Gebäude zu kopieren.
Seit Luis Bunuels metaphorisierten Schnitt mit dem Rasiermesser bezieht sich der Akt des Schneidens auf den geistigen Augenblick einen wahren Moment hinter einem zuvor existierenden Bild unweigerlich anzuerkennen. Dabei werden die Realität des Bildes und die Manifestation der Desillusionierung miteinander verbunden: Ein changierendes Bild für den Akt der Erkenntnis. Der Verlust einer zuvor anerkannten Realität ist auch ein physisch existenzieller Moment. Sinta Werner ruft mit ihren Variationen der Täuschung und Realitätsverlusten diese Momente im Betrachter immer wieder hervor. Sie macht den Betrachter zum Protagonisten, der ihre bühnenartigen Raumkonstruktionen betritt und den Täuschungen unterliegt, zum entlarvenden, kommissarischen Entdecker, der die Konstruktion und die Täuschungsbilder dechiffriert und zum Zuschauer seiner Selbstwahrnehmung. Ähnlich dem Teatro Farnese – architektonischer, barocker Bühnenraum von Giovanni Batissta Aleotti, 1618, Parma, Italien – kalkuliert Sinta Werner einen optimalen Betrachterstandort, von dem aus der Eindruck einer perspektivischen Raumillusion entstehen kann. Gleichzeitig bleiben die dreidimensional gebauten Kulissen Bühnenraum – ein Bühnenraum für die Betrachtung selbst.
Birgit Szepanski

[Quelle: https://web.archive.org/web/20260123083355/https://www.kunstvereinbaden.at/ausstellung/sinta-werner-d/]

Beteiligte

Erika Adensamer (Rede), Claudia-Maria Luenig (Rede), Sinta Werner

Objekte

(Archivalien, Publikationen, Werke)

2015 Kunstverein Baden 1915-2015. 20 Jahre Kunstverein Baden (Publikation)