Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig

Daten

– Landesgalerie Niederösterreich

Beschreibung

FANNY HARLFINGER-ZAKUCKA UND DIE WIENER FRAUENKUNST

Die Universalkünstlerin Fanny Harlfinger-Zakucka (1873–1954) war eine radikale Fürsprecherin für die Gleichberechtigung der Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Vor hundert Jahren gründete sie die Vereinigung Wiener Frauenkunst. Anlässlich dieses Jubiläums widmet die Landesgalerie Niederösterreich der fast vergessenen Vertreterin der Wiener Moderne eine Ausstellung. Diese gibt neue Einblicke in ihre vielfältige künstlerische Arbeit sowie in den Kampf der weiblichen Kunstszene um Emanzipation und Anerkennung in der Zwischenkriegszeit.

WIEDERENTDECKUNG EINER UNIVERSALKÜNSTLERIN
Fanny Harlfinger-Zakucka
© Österreichische Nationalbibliothek

Als Malerin, Grafikerin, Illustratorin und Kunstgewerblerin hinterließ Fanny Harlfinger-Zakucka ein facettenreiches Werk. Im niederösterreichischen Mank geboren, ging sie zum Kunststudium nach Wien, schuf bereits 1903 erstaunlich avantgardistische Farbholzschnitte und brach als Frau in die damals absolut männliche Domäne des Möbeldesigns ein.

Sie nahm an der legendären Kunstschau der progressiven Klimt-Gruppe teil und stellte mit der von Egon Schiele gegründeten Neukunstgruppe aus. Stets am Puls der Moderne schuf die Künstlerin Illustrationen für die bedeutenden Kunstzeitschriften „Ver Sacrum“, „Der liebe Augustin“ und „Die Fläche“. Harlfinger-Zakucka kooperierte außerdem mit der Wiener Werkstätte. Ihre Arbeiten wurden sowohl auf Wiener Sonderausstellungen als auch im Pariser Salon gezeigt.

Die Künstlerin wurde für das innovative Design ihres modern gestalteten Kinderzimmers 1929 mit einem Ehrenpreis von der Gemeinde Wien ausgezeichnet. Ihre Kreation überzeugte durch Möbel in einem lebendigen Zitronengelb, durchzogen von einem auffälligen roten Gittermuster. Diese Möbelstücke waren nicht nur funktional – sie dienten sowohl zur Aufbewahrung als auch zum Spielen.

Die Wiederentdeckung der künstlerischen, kuratorischen und emanzipatorischen Leistung von Harlfinger-Zakucka trägt zu einer entscheidenden Korrektur des Geschichtsbildes bei.

PIONIERINNEN IM KAMPF UM ANERKENNUNG

Die Ausstellung rückt sowohl zahlreiche verloren geglaubte Werke von Harlfinger-Zakucka in den Fokus als auch die von ihr initiierte Vereinigung Wiener Frauenkunst. Im Jahr 1926 sagten sich unter der Führung von Harlfinger-Zakucka Künstlerinnen von der traditionellen Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) los und gründeten die als progressiv und linksliberal eingestufte Künstlerinnenvereinigung Wiener Frauenkunst.

Die expressionistischsten Keramikerinnen, die radikalsten Malerinnen, die innovativsten Bildhauerinnen und Architektinnen wollten die Stereotypen, die damals die Frauenkunst umgab, durchbrechen. Sie verfolgten einen neuen feministischen Ansatz und setzten innovative Maßstäbe im Ausstellungsdesign. Die Künstlerinnengruppe entwickelte nicht nur neue raumkünstlerische Arrangements, sondern die bis dahin unbekannten Formate der Themenausstellung und des Ausstellungskatalogs mit theoretischen Texten.

1930 organisierte die Wiener Frauenkunst parallel zum internationalen Frauenkongress die Ausstellung „Wie sieht die Frau?“ und mischte sich damit offensiv in die seit Beginn des Jahrhunderts geführte Debatte über die Kreativität von Frauen ein. Schon ein Jahr später beteiligte sich die Vereinigung in der Secession an der Ausstellung „Die schaffende Österreicherin“, in der die Künstlerinnen neben ihren Werken auch mit ihren Porträtfotos vertreten waren. So rückten die Frauen selbst in den Mittelpunkt und machten sichtbar, wer hinter der Kunst stand.

[Quelle: https://web.archive.org/save/https://www.kunstmeile.at/de/ausstellungen/wiener-moderne.weiblich.widerstaendig]

Beteiligte

Hilde Ascher, Maria Cyrenius, Bettina Ehrlich, Helene Funke, Margarete Hamerschlag, Stephanie Hollenstein, Broncia Koller-Pinell, Dina Kuhn, Gabi Lagus-Möschl, Maria Likarz, Frieda Salvendy, Hilda Schmid-Jesser, Anny Schröder, Marianne Seeland, Susi Singer, Luise Spannring, Helene Taussig, Franziska Zach, Fanny Zakucka, Liane Zimbler

Objekte

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