Folke Köbberling. Maaaaash!

Daten

– Karlsplatz, Klima Biennale Wien 2026, Kunst im öffentlichen Raum Wien, KöR, Öffentlicher Raum Wien

Beschreibung

Ein schlammbedeckter Mercedes-Benz G-Klasse – ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt, wird dieses Auto mit seinen diversen Offroad-Funktionen beworben – steht wie von der Straße abgekommen in der Wiese. Es handelt sich um eine 1:1-Replik, die Folke Köbberling direkt vom originalen „Luxus-Offroader“ mit einem eigens entwickelten biobasierten Verbundstoff abgenommen hat. Maaaaash! heißt die Skulptur, und ihr Titel (zu Deutsch: zerstampfen, zerdrücken, vermischen) mag Hinweise geben auf das Material, mit dem Köbberling bereits drei solcher kompostierbarer SUVs hergestellt hat, um dann ihren langsamen Zerfall über ein Jahr zu beobachten (Mash & Heal, 2024). Er könnte aber auch als Aufruf an die Skulptur selbst verstanden werden, sich im Zersetzungsprozess mit dem Erdreich, auf dem sie steht, zu verbinden. Denn unter freiem Himmel beginnt das Komposit langsam zu verrotten. Im Inneren des Autos sind weitere natürliche Materialien wie Jute, Rohwolle, Zellulose, Lehm, Weizen, Erde und Holz verbaut, die Tieren als Unterschlupf und Pflanzen als Nährboden dienen können. Die Unterkonstruktion und die Reifen sind aus Holz.

Mit ihrer künstlerischen Praxis protestiert Folke Köbberling gegen Ressourcenverschwendung, Flächenversiegelung und neoliberales Profitdenken genauso wie gegen die Dominanz des Automobils in der Gesellschaft, im Stadtraum und in den Köpfen. Sie hat Autos auseinandergenommen und zu Fahrrädern umgebaut, Autos zerlegt und mit der Eisenbahn transportiert, Autos nachgebaut und aufeinanderprallen lassen. In Zusammenarbeit mit Martin Kaltwasser stellte sie einen um zwanzig Prozent vergrößerten Audi Q7-SUV aus weiß lackiertem Altholz auf den Mittelstreifen der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln, wo dieser vier Wochen lang drei reguläre Parkplätze besetzte und darauf wartete, vom Wetter oder von provozierten Passant*innen zerstört zu werden. Doch das große weiße Holzauto blieb unversehrt, von der lokalen Bevölkerung wurde es unerwartet wohlwollend aufgenommen (White Trash, 2008).

Kurz nach Ende der Olympischen Winterspiele in Vancouver errichteten Köbberling und Kaltwasser auf einer der letzten Brachen unweit des olympischen Dorfs einen überlebensgroßen Bulldozer aus recycelten Wheatboards. Mit diesen Bauplatten war Wohnungsausstattung vor Abnutzung durch die Athlet*innen geschützt worden, um den makellosen Zustand der Immobilien für den anstehenden Verkauf zu sichern. Der Witterung ausgesetzt, zerfielen die Platten aus hochverdichtetem Weizenstroh langsam und bildeten gemeinsam mit vorsorglich im Inneren des Bulldozers eingebauter Humuserde den Boden für tierische und pflanzliche Besiedlung sowie gärtnerische Zuwendung (The Games Are Open, 2010).

Auch bei Maaaaash! am Karlsplatz in Wien beginnt mit dem Zerfall ein skulpturaler Prozess mit offenem Ausgang. Am Spitz des kleinen Parks zwischen mehrspurigen Straßen gestrandet und vom vorbeifahrenden Verkehr aus gut sichtbar, führt Folke Köbberlings Skulptur die Inbesitznahme und Privatisierung des öffentlichen Raums durch Autos mit der eigenen Auflösung ad absurdum. (Olga Wukounig)

[Quelle: https://web.archive.org/save/https://www.koer.or.at/projekte/maaaaash/]

Beteiligte

Folke Köbberling

Ausstellungen / Veranstaltungen

2026 (No) Funny Games, Klima Biennale Wien 2026, Wien, Öffentlicher Raum Wien, Wien

Objekte

(Archivalien, Publikationen, Werke)

2026 Mercedes mit Lehm, Porsche aus Beton: Was hat das Auto in der Kunst verloren? (Text)
2026 Dystopischer Strand auf Wiener Karlsplatz (Text)
2026 Ansichten: Folke Köbberling. Maaaaash! (Archivalie)
2026 Presseinformation: Folke Köbberling. Maaaaash! (Archivalie)