Inés Lombardi. Garten mit Brunnen

Daten

– Kunst im öffentlichen Raum Wien, KöR, Zimmermannplatz, 1090 Wien

Beschreibung

Inés Lombardi entwarf [i]Garten mit Brunnen[i] als thematische Transposition mittels einer für Vorstadtgärten typischen privaten Situation im öffentlichen Raum. Lombardis Intervention, welche sich als Ensemble aus konzeptueller Bepflanzung mit dem Fragment eines Gartenzaunes und integriertem artifiziellen Objekt versteht, nimmt sowohl auf die Stadtgeschichte und deren Aktualität Bezug, wie auf die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem vor dem Hintergrund der Ökonomisierung und Kontrolle von Stadträumen. Brunnen waren ein wesentliches Element privater Gärten aber auch kommunikative Schnittstelle städtischer Plätze. Dieses Bruchstück Freiland mit wuchernden Pflanzen und einem erst aus der Nähe wahrnehmbaren Brunnenobjekt, das Trinkwasser spendet, bildet eine Art Raum-Zeit-Intervall und erzeugt durch seine individuelle Gestaltung unmittelbar eine Atmosphäre der Intimität. Es schlägt einen Dialog vor zur Rückgewinnung der Stadt als sozial relevanten Handlungsort und Lebensraum.

Das Projekt von Inés Lombardi am Zimmermannplatz repräsentiert ein dialektisches Stück städtischer Gartenkunst. Ein wuchernder Garten mit Ziehbrunnen ist – ganz untypisch für die öffentlichen Grünbereiche der Stadt – als Fragment gestaltet. Es ist ein Zitatengarten, eine dynamische Inszenierung aus scheinbar ungezähmt gewachsenen Kultur- und Wildpflanzen, die jedoch auf einer exakten Planung beruht. Wie der Garten ist auch der Brunnen aus Zitaten zusammengesetzt. Auf den ersten Blick ist er ein aus Steinen gemauerter Ziehbrunnen mit einem Rand aus Ziegeln und einem Rad, über welches das Seil für den Zinkeimer läuft, mit dem aus dem Brunnen geschöpft wird. Am Brunnenrand hat sich eine Elster, das Wappentier des Alsergrunds, niedergelassen. Allerdings ist keines der Materialien das, was es zu sein vorgibt; der Brunnen ist eine aus Bronze gegossene Skulptur mit homogenen Oberflächen, es gibt keinen Unterschied zwischen Stein, Ziegeln oder Zink, und die Elster trinkt nicht, sondern spendet Wasser aus ihrem Schnabel.

Lombardis „Eingriff“ in den Zimmermannplatz löst eine Reihe von Assoziationen aus, vor allem aber wirkt er wie eine Rückblende in den lauschigen Innenhof eines Biedermeierhauses. Die Künstlerin verdichtet hier ein Stück Geschichte, aber durch die Künstlichkeit des „Gartens“ − dessen Moment der Abstraktion − unterläuft sie gezielt dessen Stadtraum-Romantik. Sie verweist auf die Verschiebung vom Privaten in das Öffentliche und macht durch das Versatzstückhafte des „Gartens“ und „Brunnens“ zugleich auch auf die Transformation aufmerksam, die dieser Platz erfahren hat. Ihr in den Stadtraum „eingeschleustes“ Stück Innenhofgarten hat etwas von einem Traumbild, das in der durchgeplanten Ordnung des verkehrsmäßig funktionalisierten Platzes gleichsam auftaucht und in seiner Bruchstückhaftigkeit eine Leerstelle sichtbar macht. Lombardi gelingt es, ein Paradox darzustellen: Die Zeit erscheint hier erstarrt, eingefangen in der Objektmontage des Brunnens, und zugleich ist sie im Transitorischen des Gartens erlebbar.

Text: Silvia Eiblmayr

[Quelle: https://web.archive.org/web/20250718051524/https://www.koer.or.at/projekte/ohne-titel-projekt-garten-mit-brunnen/]

Beteiligte

Silvia Eiblmayr (Rede), Inés Lombardi, Andreas Mailath-Pokorny (Rede), Martina Malyar (Rede)

Objekte

(Archivalien, Publikationen, Werke)

2012 Aufbrüche - Werke - Interventionen. Public art Vienna : 2004-2007 (Publikation)
2009 Wem gehört die Stadt? Wien - Kunst im öffentlichen Raum seit 1968 (Publikation)
2009 Einladung: Inés Lombardi. Garten mit Brunnen (Archivalie)