Solo exhibition Ursi Fürtler. Avec plissé
Basics
– Museum LiaunigDescription
"Das musste ich einfach so machen", sagt Ursi Fürtler im Kontext zur Unmöglichkeit in den 1970er-Jahren in Österreich als weibliche Künstlerin angesehen zu werden, während sie in ihrer Siebdruck-Werkstatt Probestücke bedruckter Textilien auf dem Arbeitstisch auflegt. Entgegen dem ursprünglichen Wunsch Malerin zu werden, entschied sie sich aufgrund des in der Zeit der 1970er- und 1980er-Jahre von Männern dominierten Berufsfeldes jedoch für das Textil als ihr Grundmaterial. Es war wahrscheinlich genau dieser Situation gezollt, dass die junge Künstlerin ihren Bereich so intensiv perfektionierte und sich durch ihre Überzeugung, genau das tun zu wollen, Gehör verschuf.
Fürtler hat ihr Leben lang gearbeitet. 2025 hat die Schöpferin des einzigartigen Œuvres an Textilwerken und vielseitige Ausnahmeerscheinung in Neuhaus ihre erste museale Einzelausstellung, die Einblick in fast siebzig Jahre des Schaffens liefert. Ziel der Präsentation mit dem Titel Avec plissé ist das Bilden eines Querschnitts durch ihr künstlerisches Werk, das sich ohne Pausen und Brüche wie ein roter Faden bis heute weiterzieht. Die Ableitung von „Avec plaisir“ (Gerne! / Mit Freude!) lenkt das Augenmerk auf Fürtlers in den letzten Jahren mit Vorliebe eingesetzten Werkstoff: Plisseestoff.
Papierarbeiten und Entwurfsskizzen bis zur Weiterführung und Neuanordnung in Collagen
Den zeitlichen Beginn der Präsentation im Grafiktrakt des Museum Liaunig zeigen Zeichnungen auf Papier. Es sind Flächenkompositionen in kontrastreichen Farbzusammenstellungen, die Fürtler von 1972 bis in die 1980er-Jahre zum Großteil als Musterentwürfe für die Textilindustrie angefertigt hat. Die Zeichnungen wurden in bemerkenswerter Leichtigkeit ausgeführt und erregten offensichtlich schon vor vierzig Jahren Aufsehen. Allem voran spricht aus ihnen eine selbstbewusste Künstlerin, die mit großer Wahrscheinlichkeit das damalige Umfeld mit ihrem Können und ihrem Gespür für Farben und Formen aufgemischt hat. Auffallend ist der strukturierte, später immer mehr ins Minimalistische reichende Stil, der die Künstlerin prägt. Sie schafft mit den einfachsten Zusammenstellungen ein den Betrachter faszinierendes Bild.
Das Siebdruckverfahren und die Unplanbarkeit
Parallel zu ihren Entwurfszeichnungen beginnt Ursi Fürtler Anfang der 1980er-Jahre im Siebdruckverfahren Stoffe zu bedrucken. Anders als viele Künstlerkolleginnen und Kollegen, die den Siebdruck als Vereinheitlichung einer Auflage und zur Vervielfältigung und Umsetzung hoher Editionen als entgegenkommende Technik gewählt haben, reizt Ursi Fürtler ein ganz anderer Aspekt an diesem Druckverfahren. Für sie ist es das Unkalkulierbare, das aufgrund der Technik niemals vollständig planbare Resultat.
Bei der Siebdruck-Technik, die Ursi Fürtler sich selber beigebracht hat, geht es ihr niemals um Perfektion, sondern um die, durch die eigene Einschränkung erzielten Resultate. "Ich empfinde meine Liebe zum Siebdruck als Abenteuer und meine Neugier ist unendlich", schreibt sie in einem Werkkommentar in den 1990er-Jahren.
Im zweiten Raum des Grafiktraktes sind drei Paravents ausgestellt sowie Entwurfsskizzen zu deren Farben und Struktur. Weiters sind Accessoires und Textilobjekte aus einem Zeitraum von vierzig Jahren zu sehen, drei Kleider und ein Schal, den Fürtler 2005 als Staatsgeschenk des Bundespräsidenten Heinz Fischer zu einer Auslandsreise in mehrfacher Ausführung mitgebracht hat.
Die Deklination der Möglichkeiten
Die Inszenierung von Ursi Fürtlers Objekten im Museum Liaunig soll zur Veranschaulichung dienen, wie viele Möglichkeiten an Formen denselben zu Grunde liegen. Ein Couturier braucht einen Körper, an den er seine Mode anpasst. Seine verwandelten Stoffe ergänzen den weiblichen oder männlichen Körper, sie unterstützen, verdecken oder machen sichtbar. Ursi Fürtler setzt mit ihrer Arbeit an dem Material selber an und macht aus jedem Stoff ein eigenständiges Unikat, das für sich selber spricht. Fürtlers Schals, Kleider und Accessoires können getragen werden, ergeben jedoch gleichzeitig völlig selbständige dreidimensionale Objekte, wie dies in den im Museum Liaunig arrangierten Installationen gezeigt wird.
Alexandra Grimmer
Anlässlich der Ausstellung erscheint im Verlag Bibliothek der Provinz ein reich illustrierter Katalog mit Texten von Tulga Beyerle, Carola Dertnig, Ursi Fürtler, Alexandra Grimmer, Leander Kaiser, Martina Kandeler-Fritsch und Herbert Lachmayer.
[Quelle: https://web.archive.org/web/20250519103255/https://www.museumliaunig.at/de/ausstellungen/2025.html]
Participants
Objects
(Archival material, Publications)
| 2025 | Presseinformation: Ursi Fürtler. Avec plissé (Archival object) | |
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