Solo exhibition Martin Osterider. On Journey
Basics
– Kunstverein BadenDescription
Hotel Heimat – eine Geschichte
Welche Wirkung der öffentliche Raum ausstrahlt, wenn alle Texte in ihm gelöscht sind, wenn er dadurch gewissermaßen sprachlos geworden ist, hat das Künstlerduo Steinbrener / Dempf 2005 über einen Zeitraum von 3 Wochen in der Wiener Neubaugasse vorgeführt. Ein „entschrifteter Raum“ steht am anderen Ende der üblichen Wahrnehmungsskala, die durch das Zumüllen mit Bildern und Texten charakterisiert ist. Immer häufiger wird unser Sprachdefizit in fernen und gar nicht so fernen Ländern durch die Machtergreifung der globalen Handelsriesen ausgeglichen. Ihre angewöhnten Schriftzüge und Logos scheinen Halt zu verleihen und weniger geografische als geistige Orientierung in der babylonischen Verwirrung zu bieten. Wer heute im Tourismus punkten will, darf nicht mit der Sprachfertigkeit seiner Gäste rechnen.
Der zweite Teil der Geschichte Hotel Heimat – es handelt sich augenscheinlich um mehr als nur eine Aufschrift – setzt sich wie eine tief eingegrabene Spur im emotionalen Haushalt der mit dem Bild Konfrontierten fort. Den japanischen Schriftzeichen nicht nur im Lesefluss diametral gegenübergestellt, thront das Firmenschild noch dazu, in seiner Position tatsächlich erhaben, über den urbanen Fassaden und Oberflächen und über den Verkabelungen, die wie eine Satire auf das in den Nachrichtenkreislauf eingebundene „Globale Dorf“ gelesen werden können. Und dann: Wir kennen vielleicht ein Hotel zum Goldenen Ochsen oder zur Stadt Feldbach, aber Hotel und Heimat? Auch wenn wir bei den ersten beiden Bezeichnungen vermutlich keinerlei Gedanken verschwenden, weder an die Bedeutung des Tiers, geschweige denn an die der Stadt, beschäftigt uns Heimat am fremden Ort, in einer fremden Kultur. Nicht nur aus einem Grund. Wir wissen, dass das deutsche Wort in kaum eine andere Sprache übersetzt und dabei die besondere Bedeutung erhalten werden kann und wir stehen vor dem Phänomen, was immer die Hintergründe für die Namensgebung gewesen sein mögen, dass wir unser Augenmerk auf ein schlichtes, ohne ästhetischen Anspruch hergestelltes Firmenschild richten.
Schlagartig wird dieser von Martin Osterider geschaute Bildausschnitt aus einem beliebigen Teil des urbanen Raums, wird ein einziges Foto zum Bedeutungsträger im semantischen, im historischen, im kulturellen Sinn, konnotiert mit gegenwärtig aktuellen, politisch und gesellschaftlich ungelösten, Problemfeldern.
Werner Fenz
[Quelle: https://web.archive.org/web/20251111141840/https://www.kunstvereinbaden.at/ausstellung/martin-osterider/]
Participants
Reinhard Braun (Rede), Hans Hornyik (Rede), Martin Osterider
Objects
(Archival material, Publications)
| 2015 | Kunstverein Baden 1915-2015. 20 Jahre Kunstverein Baden (Publication) |
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