Mythos Wien 1900

Basics

– Jüdisches Museum

Description

Wie jüdisch ist die Moderne?

Die Rückschau auf die Wiener Jahrhundertwende ist oft nostalgisch aufgeladen. Das Bild von der „jüdischen Moderne“ dient als Symbol für künstlerischen und intellektuellen Aufbruch. Dies funktioniert jedoch lediglich als plakatives Narrativ, denn dadurch werden viele Aspekte jüdischen Lebens wie Armut, Ausgrenzung oder innerjüdische Konflikte ausgeblendet.

Die kulturelle Blüte des „Wien um 1900“ wurde zunächst von jüdischen Autor:innen aus Wien beschrieben. Erst ab den 1980er-Jahren entstand ein gesteigertes Interesse an der „jüdischen Moderne“ als Teil kollektiver Erinnerung. Getragen von Gefühlen der Wiedergutmachung, sollte die zuvor ausgelöschte oder unsichtbar gemachte jüdische Kultur wieder sichtbar und ihr bedeutender Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte bewusst hervorgehoben werden. Die Folge war jedoch, dass diese „jüdische Moderne“ zum Mythos wurde.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf die Wiener Jahrhundertwende in ihren vielen, teils vergessenen, teils bis heute noch nie beleuchteten Facetten, hinterfragt das Narrativ des „jüdischen Beitrags“ und stellt ihm vielfältige jüdische Lebensentwürfe und -realitäten in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche gegenüber. Sie zeigt, wie jüdische Identität um 1900 verhandelt, konstruiert und instrumentalisiert wurde, und welche Klischees die damalige Realität bis heute überlagern. Eingebettet in einen neuen, ungeschönten Rekonstruktionsversuch der historischen Verhältnisse wird damit der Frage nachgegangen, wie „jüdisch“ die viel beschworene Moderne des Wiener Fin de Siècle wirklich war.

[Quelle: https://web.archive.org/web/20260803135915/https://www.jmw.at/ausstellung/mythos_wien_1900]

Participants

Andrea Winklbauer (Kurator/in)

Objects

(Archival material, Publications)

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